Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Die Bodenwertschätzung und ihre Auswirkung
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 461 (sequence 3)
- Language
- German
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hier verwiesen werden kann2. Die Differenz zwischen der Annahme des Directors of Survey und der der viel fundierteren des Commissioner of Land bezüglich der kultivierbaren Fläche im Gebirge ist eine sehr große. Letzterer bezeichnete fast 3 Millionen Dunam mehr als kultivierbar im Gebirge als ersterer. Zu der Gesamtschätzung ist noch zu sagen, daß sie auf keinen Fall berücksichtigen konnte, welche derzeit unbekannte Wasserreserven der Boden noch birgt. Bekanntlich erlebte man in letzter Zeit gerade diesbezüglich angenehme Überraschungen und die Wasserfunde in den Wüsten Iraks3 lassen hoffen, daß sich diese Überraschungen in Palästina auch auf Gebiete erstrecken werden, die bisher von allen Seiten als unkultiviert bar angesehen werden. (Gerade jetzt finden Untersuchungen auf Wasservorkommen in ariden Gegenden Palästinas statt.) Was den Steuertarif selbst betrifft, so legt seine ganze Konstruktion die Hauptlast auf die Pflanzungen, insbesondere die Zitrusfrüchte. Dies ist zwar an und für sich gerechtfertigt, aber die Steuer auf diese Kultur ist viel zu hoch (825 Müs per Dunam). Die Reformvorschläge des Pflanzerverbandes (siehe Nr. 1, S. 38) blieben bisher unbeachtet. Die jüdischen Orangenpflanzer allein werden daher (bei einer Fläche von 150.000 Dunam) zirka 125.000 £ Steuer zahlen müssen. Die weiteren Auswirkungen der Verordnung können heute noch nicht abgesehen werden. Wenn auch die Reform gerecht und modern ist, so ist es schon jetzt klar, daß die Regierung, obzwar sie offiziell erklärte, die Steuerreform dürfe keine Mehreinnahmen bringen, einen bedeutend höheren Ertrag durch sie haben wird als vorher. Dies geht daraus hervor, daß im Finanzjahr 1933/34 die ländliche Haus- und Bodensteuer (Werko) 108.900 und die Bodenertragssteuer 57.700, zusammen 166.600 £P ergeben haben. Die 250.000 Dunam jetzt bestehender arabischer und jüdischer Zitruspflanzungen werden nach dem neuen Gesetz allein 212.000 £P ergeben. Wozu es nötig ist, bei den Millionen-Überschüssen, die die Regierung in ihren Kassen angehäuft hat, aus der Landwirtschaft höhere Summen zu ziehen, ist nicht zu verstehen. Für die Zitruspflanzung, die die wichtigste Exportproduktion des Landes ist, ist die hohe Steuer jedenfalls ein Hemmnis, das bei den auch sonst wachsenden Schwierigkeiten des Exportes ins Gewicht fällt. Übrigens wird, auch abgesehen von den Zitruspflanzungen, naturgemäß die intensivere, d. h. die jüdische Wirtschaft stärker betroffen werden als bisher. Das Verhältnis der jüdischen zur arabischen Landwirtschaft wird meist nur nach zwei Aspekten beurteilt: Erstens, daß bei Zitrus 60% der Produktion in jüdischen Händen ist, zweitens, daß die Erzeugung der Produkte der gemischten Wirtschaft der Juden nur einen Bruchteil jener der arabischen ausmacht (abgesehen davon, daß beide zusammen nicht dem Bedarf genügen und ein Nahrungsmittelimport in großem Umfang [\l/2^2 Millionen Pfund] nötig ist). Aber man übersieht, daß trotz der Geringfügigkeit der jüdischen Landbevölkerung ihre Produktion außerordentlich hochwertig ist. Agr. Weiz 4 schätzt ihren Wert auf 1 Million Pfund, indes eine Schätzung von Doktor Michaiis5 den Produktionswert der Fellachenwirtschaft mit 3 Millionen annimmt. So wenig genau solche Schätzungen naturgemäß auch sein können, so zeigt es sich doch, daß die Juden einen verblüffend großen Anteil an dem Produktionswert auch der gemischten Landwirtschaft haben. An dem Wert, nicht an der Menge. Aber gerade -; i |;.w;ir 2 Siehe außer dem bereits zitierten Artikel von Dr. Ruppin hauptsächlich: »Die Bodenfrage und der jüdische Aufbau in Palästina«, von Dr. A. Granovsky, Wien, 1931. 3 Siehe Nr. 7, S. 342. 4 Siehe den Artikel in dieser Nummer. 5 »Die Wirtschaft Palästinas Anfang 1935« in »Palnews Wirtschaftsjahrbuch 1935«.