Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Heumehl als Futtermittel
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 454 (sequence 2)
- Language
- German
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Quelle1. Bevor wir nun die Auswertungsmöglichkeiten in Palästina zu beleuchten versuchen, seien einige solche Daten über die Aussichten der Heumehlproduktion in Österreich gebracht, damit an Hand dieser Zahlen ein Vergleich, gezogen werden kann. Daß die Verwendung von Heumehl in der Geflügelzucht, insbesonders bei einer auf Qualitätseier bedachten, bereits seit Jahrzehnten sehr hoch eingeschätzt wird, setze ich als bekannt voraus. Die hiebei verbrauchten Mengen betragen ungefähr 5 bis 10% des Tagesfutters, also von 120 g gesamter Trockensubstanz pro Huhn 6 bis 12 g Heumehl, was einem Jahresquantum von 2000 bis 4000 Zentnern pro 100.000 Hühnern entspricht. Der Wert ist nach österreichischen Verhältnissen mit 20 Groschen pro Kilogramm niedrig angesetzt und beträgt daher pro 100.000 Hühnern 40.000 bis 80.000 österreichische Schillinge. Außer bei Geflügel wird eine Verfütterung von Heumehl auch bei Rindern mit Erfolg durchgeführt. •— Soviel über die Verwertung. Was die Rohmaterialien anbelangt, so sind die Verhältnisse in Österreich natürlich wesentlich andere, und zwar ohne Zweifel günstigere als in Palästina, da die großen Mengen Alpenheu durch den hohen Proteingehalt und den niedrigen Rohfasergehalt, weiters durch die relativ große Menge stickstoffhaltiger Extrakte* die geringe Verholzung und Verkorkung, eines der besten Kraftfuttermittel überhaupt darstellen. Durch eine geeignete Vermahlung aber gewinnen nun selbst solche Produkte, die sonst ganz unverwendet bleiben, als Futtermittel einen hohen Wert. Dazu gehören z. B. die Grannen der verschiedenen Getreidearten. Man kann bei Weizen (natürlich mit Ausschaltung der grannenlosen Sorten) mit zirka 2J4 bis 3%, bei Gerste mit zirka 3l/2 bis 4J^% des Strohanteiles für Grannen rechnen. Schwarz errechnet auf dieser Basis für Österreich eine Jahresgrannenmenge von 500.000 q, die, mit nur 8 Groschen pro Kilogramm bewertet einen Wert von 4,000.000 österreichischen Schillingen darstellen. Wie man sieht, ergeben sich aus einer derartigen Verwertung dieser sonst unbrauchbaren Abfallprodukte ganz respektable Quantitäten und Werte. Weder als Streu noch als Viehfutter sind die großen Mengen Stroh von Bedeutung, die sich aus der Ernte von Erbsen. Wicken, Sojabohnen, Buchweizen, Mais, Hirse, Mohär, Lupinen, Bohnen usw. ergeben, die aber als Mehl ein gutes Futtermittel darstellen, da sie einen oft recht beträchtlichen Gehalt an verdaulichem Eiweiß, nämlich 4 bis 7%, enthalten. Ein weiteres wichtiges Mahlprodukt liefert das Schilf, am besten in jungem Zustand, da durch sein Massenvorkommen eine sehr rationelle Verarbeitung ermöglicht wird; ähnliches kann auch vom Laub der verschiedenen Bäume und Sträucher gesagt werden. Selbstverständlich bietet die Vermahlung des Heues der verschiedenen Leguminosen (Luzerne, Klee, Esparsette usw.) besonders gute und nahrhafte Mahlprodukte. So enthält Luzerne bei Beginn der Blüte durchschnittlich zirka, 10% an verdaulichem Eiweiß, also soviel wie Weizenkörner und mehr als das Korn von Gerste, Hafer und Mais, deren Eiweißgehalt zwischen 8 und 9% schwankt. Wohl ist der Stärkegehalt der Körnerfrüchte größer, dafür ist aber die in Betracht kommende Masse bei den genannten Leguminosen eine bedeutend größere und die. Ernte beträgt in verdaulichem Eiweiß gemessen drei- bis viermal so viel als bei den Getreidearten, auch wenn man das verdauliche Eiweiß des Getreidestrohs mit in die Rechnung einbezieht, denn in 1 Schwarz, Ing. Josef: »Die Heumehlerzeugung und ihre Bedeutung für die heimische Landwirtschaft«, aus der Monatsschrift »Die Landeskultur«, Nr. 6, Wien, 1934.