Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1935)
- Article
- Produktivierung der Juden in Palästina - ein Irrweg?
- Date
- 1935-08-01
- Page
- Seite 443 (sequence 8)
- Language
- German
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Weltwirtschaftskrise in den hochkapitalistischen Ländern mit ihrer Millionen-Arbeitslosigkeit Die Weltwirtschaftskrise ist keine konjunkturelle Erscheinung; sie ist die Krise zu weit getriebener Arbeits^ teilung, sowohl innerhalb der einzelnen Länder, wie auch zwischen den Welthandelsländern. Binnenstaatliche hohe Arbeitsteilung ist ungefähr dasselbe, wie tiefgestaffelte Industrialisierung. Ein Land, das diese verhängnisvolle Entwicklung vermeiden will, muß sich mit möglichst wenig und »leichter« Industrialisierung begnügen, auch wenn das höhere Gewicht des Agrarsektors die Lebenshaltung verhältnismäßig niedrig hält. Wir sind für eine möglichst weitgehende^ Überführung der Angehörigen der sekundären Berufe in die primären Berufe, vor allem in die Landwirtschaft; nicht, weil wir die sekundären Berufe an sich für »parasitär« hielten, sondern weil sie ein unorganisches' Rudiment der sozialen Schichtung des Galuth sind und nur und erst dann in Palästina sich einordnen würden, wenn das Land eine entsprechende Stufe der binnen- und außenwirtschaftlichen Arbeitsteilung erreicht hätte. Da eine solche Entwicklung die Gefahren starker Krisen und großer Arbeitslosigkeit in sich birgt, lehnen wir sie ab. Soweit die Industrialisierung Palästinas zur Existenzbeschaffung für die jüdische Einwanderung notwendig ist, sollte sie (1.) nicht ausfuhrorientiert sein, sondern sich auf den dauerhaften Bedarf des Binnenmarktes ausrichten. Ferner sollten (2.) nach Möglichkeit Industrien mit starker Handarbeit und wenig Maschinenarbeit angesetzt werden, d. h. »leichte« Industrien; und das läuft ungefähr darauf hinaus, daß (3.) nicht Produktionsmittel, sondern Verbrauchsgüter im Inland hergestellt werden sollen. — Diese Forderungen haben wir in dem im Mai-Heft dieser Zeitschrift erschienenen Aufsatz »Zur Frage der Wirtschaftsplanung in Palästina« genauer dargelegt und begründet. Ausweisung und Asylschulz der Ausländer in Palästina Von Dr. Werner Fraustädter, Tel-Aviv. L Gesetzliche Grundlage des Ab- und Ausweisungsrechts. Die gesetzliche Grundlage des Rechts des Mandatsgebiets Palästina, Ausländer vom Aufenthalt in seinem Territorium fernzuhalten, liegt nicht unmittelbar in dem England erteilten Mandate des Völkerbunds. Zwar enthalten die Bestimmungen des Mandats über die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte (Art. 2), über die Verpflichtung der Erleichterung der jüdischen Einwanderung (Art. 6) und des Erwerbs der palästinensischen Staatsangehörigkeit durch ausländische Juden (Art. 7), aber auch diejenige über die Sicherung der Rechte Und der Lage anderer Teile der Bevölkerung (Art. 6) Anweisungen an die Mandatarmacht, die mittelbar erhebliche fremdenrechtliche Bedeutung gewinnen können. Ihre Verletzung aber begründet lediglich eine völkerrechtliche Verantwortlichkeit der Palästinaregierung, für die insbe-