Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Das Wirtschafts-Barometer: Juni 1935
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379934-2405065--20604-2405282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Das Wirtschafts-Barometen Juni 1935* Von Dr. J* Adler, Tel-Aviv. Monatsbericht über den Palästina-Markt. Geld- und Kapitalmarkt: Nach den starken Zuwachsziffern der letzten Monate mußte es zunächst einen etwas ungewöhnlichen Eindruck machen, daß der palästinensische Geldumlauf am 1. Juni 1935 mit 5,541.228 £P dem Stande vom 1. Mai 1935 gleichblieb (im Vorjahr eine Steigerung von 4,054.664 £P am 1. Mai auf 4,129.664 £P am 1. Juni). Dies ist aber schließlich nur ein Hinweis darauf, daß jetzt, wie alljährlich nach Schawuoth, in unserem Wirtschaftsleben die — bei der allgemeinen Intensität des Planens und Schaffens natürlich nur relativ zu verstehende — »stille Saison« eingetreten ist. Die Ernte und der Abtransport der Zitrus-Früchte sind beendigt und haben Arbeitskräfte in der Plantagenwirtschaft und im Verkehrsgewerbe freigesetzt. Auch die Touristensaison ist vorüber und hat damit den Beschäftigungsgrad der Hotels, Pensionen und der auf den Fremdenverkehr angewiesenen Einzelhandelszweige (Andenkenartikel usw.) vermindert, was ebenfalls zu einer Einschränkung des Personalbestandes führte. Es ist auch zu erwähnen, daß für die wohlhabenden Bevölkerungsschichten die Zeit der üblichen Europa-Sommerreise begonnen hat, in diesem Jahre dank des Luzerner Zionistenkongresses von besonderer Attraktion, und auch dieser Umstand wirkt gegenwärtig bremsend auf die geschäftliche Aktivität. AÄ alledem ist absolut nichts Bedenkliches, nichts Alarmierendes. Was etwas mehr Sorge verursacht, sind die neuerdings stärker bemerkbaren und durch die verschärfte Devisenlage Deutschlands bewirkten Schwierigkeiten in der deutsch-jüdischen Kapitalisten-Alijah. Da gerade dieses Immigranten-Element als Träger besonderer Initiative für den Aufbau neuer Erwerbszweige gilt, so befürchtet man, wenn künftig weniger Deutsche kommen sollten, eine Schwächung der »Prosperity«. Zugleich wird auch das allgemeine Unbehagen über den finanziell enttäuschenden Abschluß der Zitrus-Saison 1934/35 bemerkbar. Diese beiden Momente, die natürlich nicht jahreszeitlich bedingt, sondern unleugbar konjunkturellen Charakters sind, haben bereits zu einer gewissen, zweifellos heilsamen Ernüchterung in der Bodenspekulation geführt. Man erwähnt Preisabschläge von 30% und mehr. All das bedeutet jedoch noch keineswegs eine ernstliche allgemeine Krisengefahr. Der leider wohl unausbleibliche Rückgang der Kapitalisten-Alijah aus Deutschland erscheint durch eine Zunahme aus Polen, Amerika und Südafrika kompensiert. Der saisonmäßige und auch konjunkturelle — fast keine Orangen-Neuanpflanzung mehr! — Ausfall an Arbeitsplätzen wird reichlich durch ein umfassendes Programm an öffentlichen Arbeiten wettgemacht werden, insbesonders seitens der Stadt Tel-Aviv, der nunmehr endgültig die seit langem erörterte l-Million-£P-Anleihe für Schulbau, Straßenbau, Kanalisation usw. seitens der Londoner »Prudential« bewilligt worden ist. Auch sind Schritte unternommen worden, um den grundsätzlich zugesagten Anteil der jüdischen Arbeit an den öffentlichen Arbeiten der Regierung und der gemischtbevölkerten Städte Jerusalem, Haifa und Jaffa praktisch sicherzustellen. Zitrus-Früchte: Da man nach der Langsamkeit, mit der die palästinensische Außenhandelsstatistik arbeitet, die abschließenden Wertangaben des Zitrus-Exports der Saison 1934/35 wahrscheinlich erst Ende September erfahren wird, so ist man vorerst auf eine Schätzung angewiesen, die nach letzten Berechnungen rund 3 Millionen £P (Exportwert 1933/34: 2,328.951 £P) erreicht, auf der Preisbasis »fob Jaffas Haifa«. Das würde einen Erlös pro Kiste von durchschnittlich —-.412 £P (im Vorjahr —.426 £P) ergeben, also einen Preisabschlag von 4%, der immerhin zu verschmerzen wäre — käme nicht noch hinzu, daß der Kaufpreis der nach Deutschland abgesetzten 506.799 Kisten großenteils als »eingefrorenes Guthaben« betrachtet werden muß, an dessen Realisierung — soweit nicht durch das »Warburg-Abkommen« reguliert —