Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Die Wirtschaftslage in Palästina seit 1933
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 372 (sequence 8)
- Language
- German
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tigsten Gewerkschaften erfahren, wobei die Verbände des Baugewerbes und der besonders begünstigten Industrien gegenüber den landwirtschaftlichen Gewerkschaften sehr im Vorsprung sind. Wenn im allgemeinen die Entwicklung besonders in den Städten sichtbar und fühlbar ist, so ist nichts desto weniger auch in der Landwirtschaft ein weiterer Ausbau des Bestehenden und eine große Zahl von neuen Siedlungspunkten zu verzeichnen. Die mit Orangen bepflanzte Fläche ist im Jahre 1934 um weitere 30.000 Dunam gestiegen und dürfte jetzt 260.000 Dunam betragen. Daneben geht, verstärkt durch die Tendenz, die schon in den ersten Nachkriegsjahren einsetzte, die ausschließliche Zerealienproduktion unter gleichzeitiger Entfaltung von Milchwirtschaft und Hühnerzucht zurückzudrängen. In den allerletzten Jahren beherrscht dieses Prinzip die Neusiedlung in weitestem Umfange und wird insbesondere dort erleichtert, wo durch die natürlichen Bedingungen (GrundWassererschließung) die landwirtschaftlichen Ertragsmöglichkeiten sehr gestiegen sind. In den Siedlungen des Emek Jesreel hat die zunehmende Verwendung von Combines (kombinierte Schnitt- und Dreschmaschine) zu einer Umorganisierung des Feldbetriebes und einer sehr bedeutsamen Beschleunigung der gesamten Erntearbeiten geführt. Ebenso zeigt die Entwicklung der Milch-, Geflügel- und Obstbaumwirtschaft überall sehr erfreuliche wirtschaftliche und technische Ergebnisse. Bemerkenswert ist bei den Gründungen neuer Siedlungspunkte die stärkere Beteiligung bemittelter Siedler, unter denen wiederum deutsche Einwanderer eine maßgebende Rolle spielen. Im ganzen hebt sich diese neueste Entwicklung der jüdischen Landwirtschaft als eine neue Phase der jüdischen Siedlung ab, die durch den weit höheren Stand der landwirtschaftlichen Technik gegenüber früher, durch die größere Sicherheit in der Planung, Anlage und wirtschaftlichen Durchführung der Siedlung und durch die zunehmende Bedeutung der eigenen Mittel der Siedler gegenüber den früheren Stadien gekennzeichnet wird. C. Die Entwicklung in Palästina stellt im Hinblick auf das Problem der Bevölkerungskapazität des Landes und der Produktivität seiner Landwirtschaft eine ausgezeichnete Bestätigung der Ausführungen dar, die ein Agrartheoretiker von internationalem Ruf, Aereboe, in einer Betrachtung dieser Fragenkomplexe gemacht hat. Er betont in seiner Schrift »Die Bevölkerungskapazität der Landwirtschaft, daß der Bodenertrag und mit ihm der Nahrungsspielraum, den der Boden den Menschen gewährt, sich vornehmlich auf die Leistungen der Menschen gründet. Auf keinem Gebiet sei noch soviel Neuland urbar und fruchtbar zu machen, als auf dem Gebiet der körperlichen und geistigen Ausbildung der Menschen, speziell der Landbevölkerung. (»Das meiste Neuland befinde sich in den Köpfen der Menschen.«) Eine rasche Zunahme der Bevölkerungsziffer sei dann keine Gefahr, wenn sie mit einer entsprechenden Ertüchtigung und Erziehung des Volkes parallel gehe. Soweit die Volksvermehrung proportional mit dem Anwachsen des Erziehungskapitals fortschreitet, sei sie ein Glück für die Nation. Die Sorge um diese Kapitalvermehrung sei es aber, welche den berufenen Vertreter der Volkswirtschaft in erster Linie beseelen müsse und nicht eine Sorge um die Menge der Nahrungsmittel, welche der Volksboden hervorbringen kann. Im Lichte einer solchen Auffassung zeigt sich das Problem Juden und Araber in Palästina in einer ganz anderen Beleuchtung als sie häufig Experten- und Regierungsberichte vermitteln; so verstanden, wird das jüdische Werk in Palästina, obwohl es in seinen Absichten häufig keineswegs auf diese Ziele hinsteuerte, zu einer Quelle des Wohlstands und Fortschrittes auch der arabischen Bevölkerung.