Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Die Wirtschaftslage in Palästina seit 1933
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 371 (sequence 7)
- Language
- German
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kürzlich fast verdoppelte, hat am Südende des Toten Meeres neue große Produktionsanlagen für die Kaligewinnung geschaffen, die die gegenwärtige Jahreserzeugung von 25.000 verdoppeln wird. Die Palestine Electric Corporation hat in Haifa ein von Öl zu speisendes Werk errichten lassen, das eben fertiggestellt wurde und die gleiche Stromerzeugungskapazität besitzt wie die gesamte an der Jarmuk-Mündung ausgebaute Kraftstufe. Die neue industrielle Gründungswelle seit 1933 hat zur Errichtung stattlicher Fabriken auf Gebieten geführt, die bisher in Palästina nicht vertreten waren. Erwähnt werden soll hier nur die Herstellung von Eisenguß- und Emailwaren (Palestine Foundries and Metal Works Ltd.) von Fensterglas (Palestine Window Glass Works »Phoenicia« Ltd.), von Bier (Palestine Brewery Ltd.), von Kupferplatten und -Blech (Levant Rolling Mill Ltd.), alles Betriebe von erheblicher Produktionskapazität und modernsten Einrichtungen. Daneben sind seit der Industriezählung vom Jahre 1933 allein im Jahre 1934 nahezu 170 mittlere und kleinere industrielle Betriebe neugegründet worden, zumeist zur Herstellung von bereits im Lande erzeugten Artikeln, für die die Nachfrage seither stetig gewachsen ist. Aber auch Ansätze einer über die Grenzen Palästinas hinausgreifenden und weltwirtschaftlich orientierten Industrie zeigen sich bereits. Die Palestine Chemical Development Ltd. die im Frühjahr 1935 in Verbindung mit der Imperial Chemical Industries und einem Kapital von 100.000 £P gegründet wurde, hat die Errichtung einer Schwefelsäurefabrik, die den Bedarf der in Haifa zu erbauenden Raffinierien der Iraq Petroleum Company und anderer chemischer Großbetriebe decken soll, zum Ziele. Die Möglichkeiten auf industriellem Gebiet * werden mit der zunehmenden Bevölkerungszahl und dem steigenden Lebensstandard der breiten Schichten wachsen. Allerdings werden mit der steigenden industriellen Produktion auch ihre Probleme zunehmen. Gerade die industrielle Betätigung der Einwanderer aus Mitteleuropa, die die Formen und Erfahrungen industriell hochentwickelter Länder nach Palästina bringen, wird in ihrem wirtschaftlichem Erfolg ausschlaggebend davon abhängen, wie sich die Regierung zur Frage der Industrialisierung stellt. Eine entschiedene und klare Stellungnahme zugunsten dieses Prozesses wird sich dabei umso dringender erweisen, als auch in anderen Ländern des Nahen Ostens starke Industrialisierungstendenzen sich durchsetzen und dort weitgehend von den Regierungen begünstigt und unterstützt werden; ferner weil die Industrie, die ohnehin an hohen Arbeitslöhnen, Mangel an qualifizierten Arbeitern, billigem Kredit, ausreichender Kooperation und anderen Schwierigkeiten leidet. Auch die Industriewirtschaft Palästinas erfordert daher nicht weniger als die Interessen der Landwirtschaft eine aktive Führung der Zoll- und Handelspolitik und die Einführung des Ausgleichsprinzips für die Regulierung der Außenhandelsbeziehungen. Entsprechend mit der allgemeinen Ausweitung der Produktionsanlagen im Lande ist auch die Zahl der Arbeitskräfte in Gewerbe, Industrie und Bau gestiegen. Trotzdem ist bis jetzt die Knappheit an Arbeitern immer noch aktuell; sie wird zum Teil durch die aus Transjordariien und dem Hauran einströmenden Wanderarbeiter gedeckt. Obwohl die Orangenernte und ein Teil der landwirtschaftlichen Saisonarbeiten beendet ist, somit also ein Teil der Arbeitskräfte frei geworden ist, ist bisher nach wie vor große Nachfrage nach ausgebildeten und angelernten Arbeitern. Die Gewerkschaftsorganisation der jüdischen Arbeiter selbst, die einen großen Teil der jüdischen Einwanderer für ihre Verbände gewinnen konnte, kann einen enormen Aufschwung verzeichnen. Die Zahl der der Arbeitergewerkschaft angehörenden Arbeiter (einschließlich der Jugendlichen und der Mitglieder der Kwuzoth) ist von 48.000 am 1. Jänner 1934 auf 68.000 am 1. Jänner 1935 gestiegen. Eine entsprechende Stärkung haben die wich-