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Palästina · 1935-07-01 · Heft 7 (Juli 1935) · p. Seite 366

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Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 7 (Juli 1935)
Article
Die Wirtschaftslage in Palästina seit 1933
Date
1935-07-01
Page
Seite 366 (sequence 2)
Language
German
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Qßß Wenn in einem kleinen Land wie Palästina der wirtschaftlich agilste und initiativreichste Bevölkerungsteil sich im Laufe von rund vier Jahren verdoppelt, seine produktive Kraft und seine Mittel vervielfacht, so muß das auf die bisherigen Grundlagen der Wirtschaft revolutionierend wirken, muß ihre bisherigen Grenzen sprengen. Das ist das Bild, das das moderne Palästina heute zeigt. Aus Dörfern werden Kleinstädte, aus Kleinstädten und Mittelstädten, die kaum den Eierschalen ihrer primitiven Vergangenheit entschlüpft sind, Großstadtsiedlungen. Die Produkte einer jungen Industrie, die noch vor wenigen Jahren diesen Namen kaum verdiente, konkurrieren auf fremden Kontinenten mit den Erzeugnissen alter Exportländer, während die Aufnahmefähigkeit Palästinas für Maschinen wachsendes Interesse in den europäischen Industrieländern findet. So ist das Land heute nicht mehr mit den Maßstäben von früher zu beurteilen, es hat seine Rolle als unbedeutende, wirtschaftlich und politisch uninteressante Provinz des Orients ausgespielt und ist in den Kreis der Länder eingetreten, die in der Weltwirtschaft eine Rolle spielen, zwar noch nicht als selbständig agierendes, aber als interessierendes, sorgsam auf neue Entwicklungen hin beobachtetes Gebiet. Wenn diese Umgestaltung die Stellung Palästinas in den letzten Jahren nach außen hin in beispielloser Weise geändert hat, so kommt den sozialen Verschiebungen auch im Inneren eine nicht geringe Bedeutung zu. Die Perspektiven, die sich heute, nach den Erfahrungen der letzten Jahre, über die Aufnahmefähigkeit des Landes und seine besonderen wirtschaftlichen Hilfsmittel ergeben, sind heute andere als zu einer Zeit, in der die Einwanderung wenige tausende pro Jahr betrug, die Kolonisation an ihren Kinderkrankheiten litt und die industrielle Entwicklung in ihren Anfängen steckte. Die von der Einwanderung ausströmende Dynamik hat der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung des Landes eine neue Richtung gegeben, die zwangsläufig nicht an den von der Natur begrenzten landwirtschaftlichen Möglichkeiten, sondern der Linie des geringeren Widerstandes folgend, an den Chancen der städtischen Wirtschaft orientiert ist. Damit wird gleichzeitig die bisherige Struktur des Bevölkerungsaufbaus grundlegend beeinflußt. Während die Einwanderung zwischen 1922 und 1931, den Zeitpunkten der beiden bisher durchgeführten Volkszählungen noch nicht vermocht hatte, den agrarkulturellen Charakter des Landes wesentlich zu ändern, zeigt die Schätzung der Bevölkerungsziffer für Anfang 1935, also noch nicht vier Jahre seit dem letzten Zensus, ein ganz anderes Bild, nämlich das schnellere Anwachsen der städtischen Bevölkerung für das ganze Land. Schätzung 1922 % 1931 % 1935 Anfang 1935 Städtische Bevölkerung . 264.317 34.9 387.291 37.4 533.000 42.7 Ländliche Bevölkerung . 492.865 65.1 648.530 62.6 714.000 57.3 757.182 100 1,035.821 100 1,247.000 100 Der Anteil der städtischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung, der 1922 noch 34.9% war, 1931 37.4% betrug, also in neun Jahren nur um 2.5% gestiegen ist, hat Anfang 1934, also nach rund drei Jahren bereits 42.7% erreicht, ist also in diesem Zeitraum um nicht weniger als 5.3% gestiegen. Dieses schnellere Anwachsen der städtischen Bevölkerung wird in absehbarer Zeit dazu führen, daß die ländliche Bevölkerung, die bisher im wesentlichen landwirtschaftliches Gepräge getragen hat, von der städtischen überholt wird. Zwar findet auch jetzt die Mehrheit der Bevölkerung nach wie vor ihre Existenz durch die Landwirtschaft, insbesondere wenn man die landwirtschaftlichen Verarbeitungsgewerbe einrechnet. Auch sind die Ziffern für die arabische Bevölkerung allein noch erheblich günstiger. Da aber die Dominante der Bevölkerungsentwicklung durch die jüdische Einwanderung gegeben wird, wird in nicht

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