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Palästina · 1935-07-01 · Heft 7 (Juli 1935) · p. Seite 358

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 7 (Juli 1935)
Article
Zwei Jahre Einwanderung aus Deutschland
Date
1935-07-01
Page
Seite 358 (sequence 8)
Language
German
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gekommen sind, entbehren einer zwingenden Gewalt, eines Staatsorganismus, die sie dem zionistischen Interesse, dem Aufbau als solchen unterordnen würde. Die deutschen Juden lernen zum ersten Mal das Prinzip der Freiwilligkeit in einem Gemeinschaftsleben kennen; man kann nicht ohne tiefere Beziehung zum Aufbauwerk und ohne Verständnis und Anerkennung für das schon Geleistete sich dienend miteinfügen. Und weil das zionistische Werk noch unvollkommen ist und erst das Fundament und das Gerüst aufgestellt sind, sieht der unyorgebildete Einwanderer schlechthin nur die Lücken und nicht das ganze Haus, wie es sein soll und muß. Aber der große Schmelztiegel glüht, die gestaltenden Kräfte des Landes wirken. Vor allem die Sprache. 6000 Erwachsene der deutschen Einwanderung besuchen die hebräischen Abendkurse oder lernen privat. Es haben sich fast überall dort, wo Deutsche leben, »Chugim«, das heißt hebräische Kreise gebildet; es finden allwöchentlich aufklärende Versammlungen über Heimatkunde, Zionistica und aktuelle politische Fragen statt. Das Theater und sonstige hebräische Veranstaltungen gewinnen immer mehr Besucher aus den Kreisen der deutschen Einwanderer und wenn nicht alles trügt, werden wir bald im Lande eine in hebräische Kultur und im Zionismus verankerte Schicht der letzten deutschen Einwanderung haben. Politisch und gesellschaftlich leben freilich noch viele am Rande des nationalen Geschehens. Belastet von Ideen und politischer Vergangenheit im Golus versuchen sie sich mit Analogien von draußen durchzuhelfen, die falsch sind. Linksradikale wollen wissen, daß es der jüdischen Arbeiterschaft im Lande »genau so« wie ihren Bruderparteien in Deutschland und Österreich ergehen wird, weil sie »zu national« ist. Bürgerliche Elemente neigen aus Furcht vor »Arbeiterhegemonie und Internationalismus« zu den Kreisen des Jischuw, die ihnen ein sorgenloses Dasein, das aber in Wirklichkeit von jeder nationalen Pflicht entbunden ist, anpreisen. Es sind zerstörende und aufbauende Faktoren in der deutschen Einwanderung vertreten, entsprechend ihrer sozialen Gliederung, der materiellen Umgestaltung, ihrer neuen ökonomischen Existenz, ihrer Kulturfähigkeit. Die deutsche Einwanderung bildet in jeder Beziehung einen »Sonderfall« in der Geschichte des Jischuw. Sie wird sich in die Gesamtheit einfügen, wenn aus ihrer Mitte Menschengruppen und Persönlichkeiten hervorgehen werden, die, nachdem sie selbst den Anschluß gefunden haben, die Fuhrung der deutschen Juden in Erez Israel gemeinsam mit dem Jischuw übernehmen werden. Schon sind die Ansätze dafür vorhanden. Die »Hitachduth Olej Germania«, der immer mehr gesellschaftliche Funktionen im Rahmen des Jischuw und seiner Institutionen zufallen; das K. J. V., das gemeinsam mit der »Kidmah« und anderen Zionisten aus dem Lande den linksbürgerlichen Block stärken; die religiöse Gruppe »Ichud«, das einen Anschluß an die Gemeindeverwaltung und ihre Funktionen sucht und schließlich die Chaluzim der Arbeiterkollektiven und die Tausende von Arbeitereinwanderern, die in der »Histadruth«, im »Hapoel Hamisrachi« und der Arbeiterpartei eine neue Heimat suchen. Anfänge jüdischer Schiffahrt Von Dr. Alfred Marcus, Haifa. Palästina als Küstenland ist in seinem Menschen- und Güterverkehr mit dem Auslande im wesentlichen auf Schiffahrt angewiesen. Das läßt sich zahlenmäßig sehr leicht nachweisen. Von den zirka 80.000 Menschen, die einschließlich der Touristen im Jahre 1934 nach Palästina kamen und einschließlich derjenigen Landesbewohner,

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