Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Zwei Jahre Einwanderung aus Deutschland
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 352 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Henriette Szold geleitet. In den lokalen Institutionen arbeiten freiwillig und gegen Gehalt bewährte Fürsorgerinnen aus Deutschland und aus Erez Israel. Für das Jahr 1933/34 wurden für soziale Fälle der deutschen Einwanderung 2000 £P ausgegeben; 1934/35 wiederum 2000 £P; an konstruktiven Darlehen 3838 £P; Anleihen für Berufs- Umschichtung wurden in Höhe von 2600 £P verausgabt. Demnach im Laufe von zwei Jahren 10.438 £P. Hilfskassen und andere Quellen werden unaufhörlich für die Bedürfnisse dieser Einwanderer in Anspruch genommen. Die jüdischen Gewerkschaften aller Art haben noch nichts Nennenswertes für die Einordnung der Flüchtlinge und der schwierigen sozialen Fälle tun können. Es ist eine Frage der Zeit, und die Gewerkschaften werden diesem Problem näher treten müssen. Auch die Organe der zionistischen Exekutive und der jüdischen Einwohnerschaft des Landes werden sich nicht allzulange diesem Problem verschließen können. Denn diese Frage ist keine spezifische der deutschen Alijah. Der Zusammenbruch jüdischer Existenzen in allen Ländern der Welt und die einmal in Bewegung gesetzte Wanderung nach Erez Israel wird in viel stärkerem Maße als früher Menschen des Elends neben dem Pionier und dem bemittelten Einwanderer ins Land bringen. 2. Kapitalisten. Die Kapitalisteneinwanderung aus Deutschland ist prozentual die bei weitem größte, die das Land nach dem Kriege hatte. In den Jahren 1933/34 wanderten 6112 Kapitalisten aus Deutschland ein, die 5000 Familien ausmachen. In Prozenten waren es im Jahr<e 1933: 55% und 1934: 43% der ganzen Kapitalisteneinwanderung dieser Jahre. Das Durchschnittskapital wird auf 1500 £P pro Einwanderer geschätzt. Ferner 1933/34: 107 Handwerker mit je 250 £P und 512 Personen mit einem Kapital unter 250 £P. Es ist für die Gesamtleistung der bemittelten Einwanderungskategorie wichtig zu wissen, daß neben dem Vorzeigegeld, das jeder Kapitalist mit sich bringen mußte» ganz erhebliche Summen über die Sonderkonten I und II des deutsch-palästinensischen Transfers ins Land geflossen sind. Sachkundige sprechen von 14 Millionen £P deutsch-jüdischen Kapitals, das in der hiesigen Wirtschaft investiert oder in den Banken deponiert worden ist. Es ist einstweilen unmöglich, zu ermitteln, ob und wo diese Gelder investiert wurden. Dennoch geben einige Anhaltspunkte folgendes Bild: 400 Familien haben sich der Landwirtschaft zugewandt und kamen zur Ansiedlung. Von ihnen wurden mit Hilfe der »Deutschen Abteilung« bei der Jewish Agency 250 Familien in verschiedenen Formen angesiedelt. Das investierte Eigenkapital beläuft sich auf 400.000 £P. Völlig unerfaßbar sind die Kapitalien deutscher Juden, die in den Siedlungs-, Bodengesellschaften und sonstigen landwirtschaftlichen Unternehmungen investiert worden sind. Die Lage der Eigensiedler ist befriedigend, nur brauchen viele von ihnen trotz der hohen Anlagekosten Überbrückungskredite. Dieses ist zum Teil auf Kosten des gewöhnlichen »Lehrgeldes« zu buchen und übrigens durch größere Investitionen in Wohnhäusern verursacht. Das Menschenmaterial dieser von deutschen Juden gegründeten Siedlungen ist zionistisch und ganz allgemein von großer Qualität. Im Kampfe um die jüdische Arbeit auf dem Lande hat es schwere Proben bestanden und werden hoffentlich auch in der Zukunft nicht enttäuschen. 300 neue Betriebe mit einem Kapital von rund 1 Million an Anlagekosten und Betriebskapital wurden von den deutschen Einwanderern 1933/34 begründet. Mehrere Industrieunternehmüngen größeren Stils werden noch im Laufe dieses Sommers in Betrieb gesetzt werden. Im Jischuw herrscht allerdings die Meinung, daß die Kapitalisteneinwanderung aus Deutschland weit weniger, als ihre Kapitalien es ihnen erlauben, auf dem Gebiete der hiesigen Industrie getan hätte. Diese Meinung ist zweifellos irrig und laienhaft. Die Bedingungen der Industriegründungen sind hier weit schwieriger, als sie