Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1935)
- Article
- Das Wasserproblem Palästinas im Lichte geologischer Ansichten
- Date
- 1935-07-01
- Page
- Seite 338 (sequence 2)
- Language
- German
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frage im Lande entstanden ist, was insbesondere Laien zu irrigen Schlußfolgerungen verleiten kann. Ich muß daher gerade auf diesen Teil seiner Arbeit eingehen. Hiebei möchte ich jedoch einiges über »Die Hydrographie« des Landes vorausschicken. Es ist zunächst gar nicht den Tatsachen entsprechend, daß unser hydrographisches Wissen vom Lande sehr bereichert wurde und daß nur noch »die Ergänzung von Details, und zwar ständige Messungen und chemische Untersuchungen« notwendig sind, damit wir über diese wichtigen Fragen im Bilde sind. Ich glaube der Ansicht sein zu dürfen, daß das ganze vorhandene Material sehr spärlich ist und wir auch dann noch sehr weit vom Anfange einer systematischen Erforschung der Wasserfrage im Lande sein werden, wenn das bestimmt interessante Material der geologischen Lehrkanzel veröffentlicht sein wird. Damit will ich den Wert des durch verschiedene offizielle Institutionen gesammelten, leider bis nun nicht veröffentlichten Materials nicht herabsetzen. Aber wenn man sieht, daß sich im ganzen Lande nur einige wenige Pegel (zur ständigen Beobachtung der Wasserstandshöhen von Flüssen, Bächen und Wadis) befinden, auch am wichtigsten Strom, dem Jordan; wenn man weiß, daß Geschwindigkeitsmessungen an Flüssen zur Bestimmung der Wassermengen so gut wie gar nicht bestehen, mit Ausnahme der vom Ruthenbergwerk in unmittelbarem Industrieinteresse durchgeführten; wenn man ferner weiß, daß ständige Quellergiebigkeitsmessungen mit rationellen Methoden äußerst spärlich sind und über die Wassermengen in den Wadis nur Anschauungsberichte bestehen; daß über die Erforschung der Nährgebiete der Grundwasserströme und artesischen Adern nichts bekannt ist usw., so hat man bestimmt ein Recht, obige Behauptung aufzustellen. Wenn so wenig Vorerhebungen vorhanden sind, so ist es allerdings schwer, sich ein richtiges Urteil über Talsperren im Lande zu bilden. Daher hat meiner Ansicht nach Dr. Picard seine Ansichten darüber verfrüht veröffentlicht. Die Möglichkeit der Errichtung von Talsperren ist auch schon vor längerer Zeit diskutiert worden, und zwar im Zusammenhang mit dem Ruthenbergwerk. Auch ich habe 1921 in meiner Arbeit »Zur Frage der Wasserwirtschaft in Erez Israel« diese Frage eingehend behandelt. Es ist dazu zu sagen: 1. Talsperren sind sicher keine neue Sache. Sie sind so alt wie die Bewässerung selbst, was in jedem Lehrbuch zu finden ist. Sie sind auch nicht neu auf dem Gebiete des heutigen Palästina, da sie vor Jahrtausenden im Negew und bestimmt auch anderswo im Lande ausgeführt wurden. 2. Es ist, auch für einen Nichtgeologen, ganz klar, daß man Talsperren nicht überall ausführen kann; ebenso wie Bohrungen nicht überall glücken können, wenn sie falscherweise auch dort versucht werden, wo sie nicht möglich sind. Bei Talsperren sind die Möglichkeiten vielleicht noch begrenzter (ich meine örtlich), aber dafür, ist es möglich, alle Bedingungen auf der Oberfläche, also sicher zu ergründen, ohne Zuhilfenahme geologischer oder gar geophysikalischer Mutmaßungen.