Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Die Lehren aus der Dürrekatastrophe in U.S.A
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 310 (sequence 3)
- Language
- German
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den Staub ist außerordentlich hoch und er fühlt diesen sofort in seinem Geldbeutel. Die neue Saat wird nämlich vom Wind mit fortgetragen, die Weiden werden verschüttet und die Maschinen ruiniert. Mit diesen Feststellungen gab man sich jedoch nicht zufrieden, denn man weiß ja, daß es Trockenperioden in bestimmten Zeiträumen immer gab. Man führte Untersuchungen aus in den Quellgebieten der Flüsse, hauptsächlich in den Rocky Mountains und in Alaskas Gletschergebieten. Hiebei stellte sich heraus, daß die Gletscher des Nordens zurückweichen. Während der letzten 50 Jahre verschwanden einige hundert kleine Gletscher und größere wichen mehrere hundert Meter zurück, zum Beispiel der Nisqually-Gletscher zwischen 1857 und 1933 um 941 Meter. Aber nicht nur die Länge verringerte sich, sondern auch das Volumen. Man sieht als Ursache hiefür den Wassermangel vor etwa 30 Jahren an, denn der Regen und Schnee der Jahre um 1905 bildet das heutige Schmelzwasser der Gletscher, Man forschte weiter und stellte fest, daß um 1918 eine sehr starke Trockenperiode begann und bis jetzt noch nicht aufhörte. Einzelne Seen verschwanden, sogar die großen Seen zogen sich etwas zurück nach den neuesten Meldungen. In letzter Zeit häufen sich die Meldungen über das Versiegen von Brunnenanlagen. Die Pumpen müssen verstärkt werden, um überhaupt noch Wasser zu geben. Warum das? Die Antwort wurde in der Zeitschrift »Geographical Review« vom Jänner 1935 gegeben: »Es ist unbedingt notwendig, alle Flüsse und Wasserstandslinien unter ständiger Kontrolle zu halten. Wir meinten, daß die Unermeßlichkeit unseres unterirdischen Wasservorrates ewig halte. Wir fanden aber, daß der Wasserspiegel in den großen Ebenen sinkt, weil wir zuviel Wasser pumpten.« Heute betragen die Kosten für Hebung des Wassers hier genau so viel wie die gleiche Menge Benzin. Man berechnete weiter: Auf jeden Bürger der U. S. A. entfallen: 1 acre (4047 m2) erstklassiges Land, 1 acre zweitklassiges und 5 acres zweifelhaftes Land, sowie 6 acres Wüste. Das ist bestimmt keine günstige Statistik und die Regierung begann darauf sofort energische Abwehrmaßnahmen zu ergreifen. Man baut riesige Wasserreservoire und die Flüsse werden regulier.t Neue Wälder werden angepflanzt mit Hilfe der C. C. C.-Camps (Civilian Conversation Corps Camps of the USW. — Das ist etwa dasselbe wie in Deutschland der Freiwillige Arbeitsdienst.) Anderseits geht man gegen den Staub vor, indem man Dämme und Gräben baut, um den Staub wieder einzufangen und den Bodenwind zu brechen. Das würde aber alles nichts nützen, wenn der Farmer nicht geschult würde. Man lehrt ihn daher die beste Weise des Pflügens, die das Wasser am Ablaufen hindert. Man hält Vorträge und richtet Fernschulen ein, in denen der Farmer Belehrung über den Anbau wasserhaltender Pflanzen erhält. Ja, neuerdings werden C. C. C.-Trupps aufgeboten, die dem Farmer direkt und eindringlich zeigen, wie er es machen muß, um zu verhindern, daß nicht das ganze Land zur Wüste wird. Und — last not least man bemüht sich, im Farmer mehr Solidaritätsgefühl zu schaffen, denn das egoistische Jagen nach rein persönlichem Erfolg hat sich nicht als gut und nützlich erwiesen. Wir müssen und können an dem Beispiel Amerikas lernen. Gewiß sind die Boden- und Wasserverhältnisse in Palästina nicht genau die gleichen wie hier, aber vieles an der Katastrophe hier mahnt zum Nachdenken und zur Prüfung der Verhältnisse dort. Man soll nicht abwarten und denken, die andern machens schon. Denn die »andern« sagen dasselbe und nichts wird gemacht.