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Palästina · 1935-06-01 · Heft 6 (Juni 1935) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
18 (1935)
Issue
Heft 6 (Juni 1935)
Article
Die Autographen- und Porträtsammlung der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem
Date
1935-06-01
Page
Seite 306 (sequence 2)
Language
German
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Außerdem enthält die Sammlung sehr viele für die jüdische Kulturgeschichte auch inhaltlich wertvolle Schriftstücke. Ebenso darf die direkte wissenschaftliche Bedeutung einer solchen Sammlung als Magazin von Handschriftproben nicht unerwähnt bleiben. Finden sich nämlich Manuskripte ohne Unterschrift und sind deren Verfasser unbekannt, so kann man oft die letzteren durch Vergleich mit ihren Autographen feststellen. In der Zeit, in der meine Sammlung sich in Jerusalem befindet, konnte die Nationalbibliothek bereits die Autoren einiger anonymer Manuskripte identifizieren. In der außerjüdischen Welt gibt es viele Faksimilien-Sammlungen (Faksimiliarien) berühmter Persönlichkeiten, die auch diesem Vergleichszwecke dienen. Auch verschiedene Fälschungen können t durch Vergleich festgestellt werden. Und Fälschungen sind da nicht rar. Ich weiß nicht, ob es eine Graphologie der hebräischen Schrift gibt; auch nicht, ob sich für den Graphologen vielleicht gewisse Merkmale, Züge manifestieren, die er auch in der nichthebräischen Schrift von Juden als spezifisch jüdisch ansprechen könnte. Allenfalls enthält die Sammlung reichliches Material zur Graphologie der Schrift von Juden im allgemeinen und der hebräischen Schrift im besonderen, in ihren zeitlichen und regionalen Varianten. Durch die angegliederte Porträtsammlung werden die Handschriften gleichsam illustriert. Es dachten auch verschiedene Interessenten über den Grundtypus des jüdischen Gesichtes und seine Entwicklung nach. In dieser Sammlung wäre allenfalls ein bedeutendes Material dazu. — Bei dieser Gelegenheit ist es vielleicht von Interesse, eine besondere Art von Fälschung bei Porträts zu erwähnen, die nicht selten ist. In meiner Sammlung befindet sich z. B. ein Porträt mit dem polnischen Aufdruck »Mendelson filosof«, während es in Wirklichkeit ein Bildnis von Melanchthon ist. Ein Bild von Popper Lynkeus wurde neulich in einer großen amerikanischen Zeitung als das Porträt Sigmund Freuds gebracht. Schließlich noch eine Bemerkung: Mit diesem Sammeln ist eine jüdisch-biographische Forschungsarbeit verbunden, die bereits in ihrem jetzigen rudimentären Rahmen manchen wertvollen Aufschluß über die jüdische Abstammung (oder das Gegenteil) einiger bedeutenden Persönlichkeiten und manches andere dergleichen gebracht hat. Diese Forschungsarbeit ist sehr erweiterungsfähig, sehr und sehr erweiterungsbedürftig. Besonders hinsichtlich der letzten 150 Jahre etwa, seitdem es jüdische Größen auf den verschiedensten außerjüdischen Gebieten in großer Zahl gibt, die ihre Abstammung zu verleugnen suchen, ist dies eine ungewöhnlich schwierige Sache. Bei den östlichen Rabbinern und dgl. sind wieder Schwierigkeiten anderer Art, die auf der Nachlässigkeit und Systemlosigkeit der Biographen beruhen. Da hier auf den Grabsteinen meistenteils nur das Todesjahr, nicht aber auch das Geburtsjahr angegeben zu werden pflegt, so kennt man sehr oft letzteres nicht. — Nachschlagebücher gibt es wenige, und diese sind unvollständig und meist unzuverlässig. Dafür ließen sich äußerst drastische Beispiele anführen. — Es ist mir, dem Laien auf diesem

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