Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Die Autographen- und Porträtsammlung der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 305 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379933-2404701--20331-2404931- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Die Autographen- und Porträtsamm- 305 lung der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem Von Abraham Schwadron, Jerusalem. Fast jede Kunst und jedes Handwerk haben in der Geschichte oder in der $age ihren Patron, ihren »Vater«, Zahlreiche Beispiele hiefür finden sich in der Mythologie verschiedener Völker, besonders in der Sagenwelt der Griechen. Aber auch in der Bibel lesen wir: »Jubal, der Vater aller Zither- und Flötenspieler und Tubal Kajin, ein Schmied alles Zeuges von Erz und Eisen«. Auch jede Art des heutigen Sammelwesens — dieses Kindes der letzten Jahrhunderte — hat ihren bekannten oder vermuteten »Vater«-Begründer. Als Vater des systematischen Autographen-Sammelns im allgemeinen gilt Antoine Lomenie de Brienne (gestorben 1638). — Heute sind in allen Kulturzentren private und öffentliche, generelle oder spezielle Autographensammlungen vorhanden. Unter den allgemeinen Sammlern nehmen viele Juden einen hervorragenden Platz ein. Außer einer Reihe von Sammlungen kleinen Maßstabes waren z. B. die großen und kostbaren Autographensammlungen von Alexander Meier Cohn und Professor Ludwig Darmstädter besonders berühmt. Auch der Schriftsteller Stefan Zweig besitzt eine weitbekannte und sehr wertvolle allgemeine Sammlung, im besonderen von autographischen Manuskripten literarischen und musikalischen Inhaltes. Dagegen hat es bisher keine Autographensammlung spezifisch jüdischen Charakters gegeben. Es hat noch niemand in großem Stil Manuskripte, Briefe und sonstige handschriftliche Dokumente sowie Porträts bedeutender jüdischer Menschen gesammelt, obgleich seit vielen Jahrhunderten Sammlungen hebräischer Manuskripte sowie. solcher jüdischen Inhalts in anderen Sprachen bekannt sind. Wesen und Wert dieser Manuskripte werden eben nach ihrem Inhalt und ihrer Entstehungszeit bestimmt, nicht aber nach dem autographischen Kriterium. Nun versuchte ich es in zweiunddreißigjähriger, intensiver und schwerer Arbeit (es wurden von mir z. B. über 65.000 Briefe und Drucksachen zu Zwecken der Sammlung versendet), eine eigentliche, universell jüdische Autographen- und Porträtsammlung zu schaffen. Im Jahre 1926 brachte ich die Sammlung nach Jerusalem und schenkte sie der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek. Sie bildete da den Grundstock der an dieser Bibliothek neugeschaffenen Abteilung für jüdische Autographen und Porträts. Die bei dieser Gelegenheit veranstaltete Ausstellung einer Auswahl meiner Sammlung repräsentierte eine Kombination von Autographie und Ikonographie (Bildniskunde), die, meines Wissens nach, nicht nur im Jüdischen, sondern überhaupt als ein Novum zu bezeichnen ist. Die ausgestellten Stücke waren nach den Wirkungsgebieten der betreffenden Persönlichkeiten verteilt und innerhalb dieser Gebiete teils chronologisch, teils nach bestimmten Kultur- und Verwandtschaftskreisen geordnet.