Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Handelsbilanz und Konjunkturforschung
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 304 (sequence 4)
- Language
- German
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eine beratende Funktion in allen jenen Fragen sichern, bei denen es sich um rationalste Veranlagung arbeitenden Kapitals handelt; es hätte die Wege aufzuzeigen, um in Banken rastendes Kapital zur Tätigkeit, von der Adsorption zur Absorption zu bringen. Die wissenschaftlich exakte Beobachtung aller Absatzfriktionen im Auslande ebenso wie das Beobachten primitivster wirtschaftlicher Vorgänge innerhalb des Landes, Angebot und Nachfrage im Binnenverkehr wie im Transithandel und Export, die Beobachtung der Umlaufsgeschwindigkeit der in palästinensischen Unternehmungen arbeitenden Kapitalien, Untersuchungen über die Lukrativität in - den verschiedensten Investitionsformen usw. würden zu den Aufgaben dieses Institutes gehören. Es kann sehr gut vorgestellt werden, daß einem solchen Institut beratende Stimme zuerkannt werden könnte in grundlegendsten Fragen von Kapitalansetzung und Instradierung. Es könnte unter Umständen sich gutachtlich dazu zu äußern haben, ob es z. B. in einem gegebenen Moment eher opportun ist, die Bereitschaft des internationalen Geldmarktes für Stadtanleihen für öffentliche Arbeiten auszunützen oder ob es von noch höherer Warte aus gesehen nicht angezeigter wäre, durch Rückstellung solcher Arbeiten denjenigen Tendenzen entgegenzuwirken, die sich in der Abwanderung des Landarbeiters zur Bauarbeiterschaft manifestieren. Ein solches Institut mit den Möglichkeiten wissenschaftlicher Forschung würde auch eine unschätzbare Hilfe darstellen, um allen Fehlinvestitionen und Fehlinstradierungen, wie sie das Tempo der Industrialisierung zweifellos im Gefolge gehabt hat (und vielleicht auch heute noch hat), ebenso entgegenzuwirken, wie auch der von Dr. Grünbaum so plastisch herausgearbeiteten »Krisenanfälligkeit«. Die Hilfe und Auswirkungsmöglichkeit eines solchen Instituts kann nicht hoch genug geschätzt werden für die Richtungweisung der palästinensischen Wirtschaft aus der gegenwärtigen in die zukünftige Situation; daß sich die Wirtschaftsprobleme mit anderen überschneiden, daß völkerrechtliche Probleme ebenso hineinspielen (siehe Bileski: »Palästina und Imperial Preference« in Heft 12, 1932) wie soziologische, daß der Aufgaben- und Betrachtungskreis vermutlich ein stets wachsender sein würde, scheint nur Beweis für die Notwendigkeit wie auch Anlaß zum Staunen darüber zu sein, daß es bisher noch nicht gegründet wurde. Die manchmal so paradox erscheinende Eigengesetzlichkeit der palästinensischen Wirtschaft verlangt eigentlich gebieterisch nach einem solchen Institut, das als wirtschaftliches Gewissen über das Gedeihen der Wirtschaft zu wachen hätte (also eine weit über das Beobachten temporärer »prosperity« hinausgehende Aufgabe) und vielleicht noch richtiger als Wirtschaf tsforschungsdenn als Konjunkturforschungsinstitut zu bezeichnen wäre. Sicherlich wäre ein solches Institut ein geeignetes Hilfsinstrument, um aus dem derzeitigen Aufbaustadium mit all seinen ungeordneten, hyperindividualistischen Zügen der Wirtschaft Palästinas den Weg zu finden in gesicherten und durch Studium der Vorbedingungen wie der jeweiligen Umstände verbürgteren Aufstieg.