Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Handelsbilanz und Konjunkturforschung
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
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2 engstem Zusammenhang stehenden der Wirtschaftsplanung Palästinas. Zu der Frage selbst muß gesagt werden, daß nicht nur das Fortbestehen oder der Wegfall des Kapitalimportes, also die Frage der aktiven Zahlungsbilanz hiebei entscheidend ist, sondern daß auch im Gebiet der Handelsbilanz von der Struktur der Einfuhr vorläufig abgesehen, auch die Frage des Exports keine absolut konstante ist, weil doch das Realisat der wichtigsten Ausfuhrposition, also des Zitrusexports, inkonstant ist und von der Weltmarktslage, also von Faktoren abhängig ist, auf deren Gestaltung und Beeinflussung uns jede Einwirkungsmöglichkeit fehlt. Es drängt sich also sozusagen zwangsläufig das Bestreben auf, jene Positionen zu untersuchen, hinsichtlich welcher diese Einwirkungsmöglichkeit besteht, und es muß zu diesem Zwecke das Handelsbilanzpassivum einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Dies kann am plastischesten dadurch geschehen, daß wir es auf seine konkreten Einzelpositionen untersuchen und als Funktion derselben quasi verlebendigen. Wenn wir die Bevölkerung Palästinas mit rund 1,200.000 Seelen annehmen, von denen der Anteil der jüdischen Bevölkerung zirka 300.000 Personen umfaßt, so kämen wir zu einer Importquote von 12.50 £P pro Kopf und zu einer Kopfquote am Handelsbilanzpassivum von 101 £P. Es darf allerdings nicht außer acht gelassen werden (in Analogie zu den seinerzeit von Dir. Hoofien aufgestellten Berechnungen), daß ein Teil von mindestens 30—40% der Bevölkerung am Import, bzw. der durch ihn vermittelten Bedürfnisbefriedigung keinen Anteil hat. Es wäre also das Bilanzpassivum umzulegen auf den verbleibenden Teil von zirka 800.000 Köpfen, innerhalb welcher der Jischuw als Hauptfaktor anzusehen wäre. Auch innerhalb dieser Ziffer wäre noch ein Abstrich zu machen für den arabischen Wirtschaftssektor minderer Verbrauchskapazität, von zirka 200.000. Für die sich auf dem Wege dieser Berechnung ergebende Bevölkerung von zirka 600.000 Menschen würde sich eine Kopfquote von 20 £P als Beteiligung am Handelsbilanzpassivum ergeben. Diese induktive Methode der Umrechnung des Passivums auf den effektiv importierenden Bevölkerungsteil ist bei einem Land mit so disparater und heterogener Bevölkerungsschichtung, wie es Palästina mit seinen autarken, bzw. bedürfnislosen Enklaven darstellt, durchaus gerechtfertigt, weil sie allein dem anormalen Faktum Rechnung trägt, daß sich in diesem Wirtschaftsgebiet in exakt überhaupt nicht feststellbarem Maße antike und modernste Wirtschaftsformen nebeneinander vorfinden. Nun darf aber gegenüber der Ziffer des vorstehend errechneten, sozusagen persönlichen Handelsbilanzpassivums keineswegs übersehen werden, daß letzteres zu einem nicht unbeträchtlichen Teil keineswegs aus dem Passivum an Konsumgütern stammt, sondern in immer steigendem Maße auch alle jene Güter in sich schließt, die entweder reine Produktionsgüter sind oder zumindest künftiger Erzeugung solcher zu dienen bestimmt sind. Hieher gehören also nach Abzug der Regierungsimporte vor allem die Gesamteinfuhr an Rohmaterialien und