Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1935)
- Article
- Die natürliche Bevölkerungsbewegung als Grundlage sozialbiologischer Betrachtung des Judenproblems in Palästina
- Date
- 1935-06-01
- Page
- Seite 300 (sequence 10)
- Language
- German
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Geburtenbeschränkung. Die nationalen Bevölkerungspolitiker sehen die aus diesem Widerspruch erwachsenden Gefahren für die zukünftige Machtstellung der Nation und für die Größe des Volksbestandes — aber weder die Argumente, noch die materiellen Anstrengungen der Regierungen vermögen den Fortpflanzungswillen der Massen zu ändern. Das schlagendste Beispiel aus der Geschichte der letzten Jahrzehnte ist wohl Italien. Ein System gesetzlich fixierter Unterstützungen und von Förderung, Bevorzugung und Auszeichnung kinderreicher Ehen hat den Geburtenrückgang nicht aufzuhalten vermocht. Die Natalität ist vielmehr trotz aller Machtmittel des Staates und trotz großzügiger Propaganda in Wort, Schrift und Bild von 28.4 °/00 im Jahre 1925 auf 23.8 °/oo im Jahre 1932 gesunken. Jetzt dürfte die Geburtlichkeit in Italien noch niedriger sein. Noch weniger wäre naturgemäß i n Palästina mit Propaganda und direkten Geldzuwendungen zu erreichen. Der zionistischen Exekutive und dem Vaad Leumi stehen zu geringe direkte Mittel zur Verfügung. So ist es klar, daß die Natalität sinken wird und dies um so rascher, je weniger die Einwanderung junger Menschen die abnorme Altersstruktur des palästinensischen Judentums aufrechterhalten wird, je mehr die 18- bis 35jährigen in die höheren Altersjahrgänge aufgerückt sein werden, je größer die Zahl der über 50jährigen werden wird. Die Normalisierung der Alterspyramide wird auch eine Vermehrung der Sterblichkei t23, eine Verminderung der Geburtenüberschüsse und eine Verringerung der s c h w i n d e 1 h a f t hohen V i t a 1 - I n d i c e s zur Folge haben. DieungleicheNatalitätdereinzelnen Vo 1 k sgruppen und die Herabsetzung der Kindersterblichkeit bei den sephardischen und orientalischen Juden wird ihrerseits das Schwergewicht zu Ungunsten der Aschkenasim verschieben. — Dies die Tendenzen, die aus den jetzigen Zahlen abzuleiten sind. Auf die Zahlen und auf die Tendenzen wollte ich aufmerksam machen. Sie sind beachtenswert. Es scheint mir, daß sich die maßgebenden Kreise mit dieser Seite des zionistischen Problems zu wenig befassen. In Palästina gilt es nicht alte Positionen zu behaupten, sondern neue zu erobern; nicht eine sterbende Kultur vor dem Ende zu erretten, sondern ein wirtschaftlich ruiniertes Volk aus den bisherigen kulturellen Zusammenhängen loszulösen und es zur schwierigsten schöpferischen Leistung, die bisher nie und nirgends nach einem vorgefaßten Plan oder Wunsch sich vollzogen hatte, zu führen. Die meisten glauben, daß sich alles wunschgemäß gestalten wird, wenn bloß in der 23 Es mag nochmal erwähnt werden, daß nicht in allen Altersklassen die Sterblichkeit der Juden günstiger ist als die der Araber. In den Altersklassen ober 50 Jahren ist die Sterblichkeit der Juden größer als die der Araber, bis zum 50. Lebensjahr dagegen kleiner. Am günstigsten fällt der Vergleich für die Juden bei den 2—10jährigen aus. — Wenn ich oben von der Vermehrung der Sterblichkeit spreche, so meine ich die Folge der Altersumschichtung, nicht eine Vermehrung der Sterblichkeit innerhalb einer jeden Altersklasse.