Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Rechtsleben. Von Dr. Moritz Bileski, Haifa.
- Date
- 1935-05-01
- Page
- Seite 263 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379926-2379932-2404433--20151-2404614- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gefaßten Beschlüsse ungültig sind. Aus dieser Entscheidung könnten ganz unübersehbare Folgerungen gezogen werden, da das gesamte Neubauwesen von den Beschlüssen der Town Planning Commission abhängt. Außerdem wurde bei Einleitung des Verfahrens die Frage erörtert, ob ein Anwalt, der Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung ist, einen Prozeß gegen die Stadtverwaltung (hier als Vertreter des interessierten Hauseigentümers) übernehmen dürfe. Der Präsident des District Court hat erklärt, daß er die Übernahme eines solchen Mandats nicht für wünschenswert halte (wozu zu bemerken ist, daß als Grundlage dieser Erklärung nicht etwa eine gesetzliche Vorschrift, sondern nur das allgemeine Rechtsempfinden in Betracht kommen kann). Dieser Prozeß bildet einen lehrreichen Einblick in die Fülle von Zweifelsfragen und Unklarheiten, die in der gerichtlichen Praxis fast jeden Tag Überraschungen ergeben. Die Justizverwaltung hat eine große Anzahl von »Magistrates« an andere Gerichtsorte versetzt und so einen umfangreichen Austausch der Richter an den Magistrates Courts vorgenommen. Die Zahl der jüdischen Magistrates in Haifa ist hiebei vorübergehend auf zwei erhöht worden. <— Die Liste der für 1935 zugelassenen Anwälte enthält 208 Juden und 105 Araber; von den letzteren sind aber 40 nur an den religiösen Gerichten zugelassen. Die bisher recht spärliche juristische Literatur ist durch eine vom Chief Justice, Sir Michael F. L Mc Donnel herausgegebene Sammlung von Urteilen des Obersten Gerichtshofes (Law Reports of Palestine 1920/1933) vermehrt worden. Gleichzeitig gibt auch der Verlag M. L. Rothenberg in Tel-Aviv eine »C ollection of Judgments« in einzelnen Lieferungen heraus, die auch Entscheidungen der District Courts enthält. WIRTSCHAFT. Von Dr. J, Adler, Tel-Aviv. Das Wirtschafts-Barometer: April 1935. Geld und Kapitalmarkt: Der palästinensische Geldumlauf ist von 4,778.964 £P am 1. Februar 1935 und 4,963.964 £P am 1. März nunmehr auf 5,326.228 £P am 1. April (demgegenüber am 1. April 1934: 4,069.664 £P) emporgeschnellt, ein neuer Hinweis auf die ungewöhnlichen expansiven Kräfte des Wirtschaftslebens. Der Finanzabschluß der Regierung für das am 31. März beendete Etatsjahr 1934/35 liegt noch nicht vor; immerhin ist bekannt, daß der Monat Februar wiederum einen Einnahmenüberschuß von 223.774 £P lieferte, so daß bis zum 1. März 1935 der Reservefonds sich auf 4,494.433 £P erhöht hat. Das schon seit einiger Zeit wahrnehmbare Interesse der Londoner City an Palästina-Investierungen wächst daher begreiflicherweise weiter an. Der Präsident eines der führenden Versicherungskonzerne Großbritanniens, Sir Edgar Hörne von der »Prudential Assurance Company, Ltd.«, London, ist in Palästina eingetroffen, um persönlich weitere Kapitalanlagen seiner Gesellschaft vorzubereiten, deren langfristige Palästina-Investments bei öffentlichen und privaten Kreditnehmern sich schon heute auf annähernd eine Million £P beziffern. Im Berichtsmonat hat, wie die Bankleitungen allgemein bekunden, der Kapitalzustrom nach Palästina neue Rekorde erreicht, teils als Begleiterscheinung zur Kapitalisten- Einwanderung und zum Touristenverkehr, teils als direkte Kapitalabwanderung aus verschiedenen europäischen Ländern im Hinblick auf die dortige ungewisse politische Lage. Nach wie vor ist es das entscheidende Problem, diese immer noch stark zur Fluktuation geneigten Kapitalien für eine ständige, produktive Anlage in Palästina zu gewinnen. Wertvolle Dienste wird hiebei der neue, erweiterte Prospekt leisten, den soeben die »Ifico« (»Industrial and Financial Corporation of Palestine, Ltd.« Jerusalem),