Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1935)
- Article
- Urteile der Presse über die Theodor Herzl-Biographie von Alex Bein
- Date
- 1935-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Odette det Jkesse Met die Jheodoc 9Cec<d=!BiogtapAie von Mtx (Bern Es ist kein Irrtum — ich habe mit Bewußtsein und Vorbedacht »die erste. Herzl- Biographie« geschrieben, obwohl ich weiß, daß wir bereits seit 1914 eine Reihe von Versuchen, das 'Leben Theodor Herzls darzustellen, besitzen: die Schriften von Adolf Friedemann, Baruch Hagani, Leon Kellner, Rüben Brainin, Jacob de Haas, Manfred Georg und J. Patai; den größten Teil der zitierten Werke habe ich gelesen und einige von ihnen liebe ich. Aber ein Doppeltes, das jedes in seiner Art das Neue und bisher Einzigartige der Biographie von Alex Bein zeigt, rechtfertigt es, wie mir scheint, von diesem Werke als von der ersten Lebensgeschichte Herzls zu sprechen. Alle bisherigen Biographien des Mannes, der das jüdische Volk zu neuem Leben erweckt hat, haben sich bei der Darstellung seines Lebens, sofern sie nicht einfach nur seine Tagebücher paraphrasieren, auf sehr lückenhaftes Quellenmaterial und auf die eigenen Erinnerungen gestützt. Bein hat zum ersten Male die gesamten gedruckten und unveröffentlichten Quellen benutzt und auf sie gestützt ein Bild vom Leben Theodor Herzls gezeichnet. Gewiß: auch ihm wird noch dieser oder jener Brief, der noch in Privatbesitz oder in öffentlichem Archiv unbekannt liegt, nicht vor die Augen gekommen, manches Manuskript und manche Aufzeichnung einer Rede Herzls noch verborgen geblieben sein, aber was bedeutet das gegenüber der unübersehbaren Fülle von Material, das Bein im Nachlaß Herzls, in den Archiven seiner Freunde und Mitarbeiter sowie in öffentlichen Bibliotheken und Archiven eingesehen und analysiert hat. Wien, Berlin, Jerusalem sind die Hauptstationen auf diesem wahrlich nicht leichten Wege zu den Quellen seines Werkes. Größer aber noch als diese Leistung Beins ist das Zweite, das dieser Herzl- Biographie ihren Rang und ihre Bedeutung in der Herzl-Literatur verleiht. Sie ist ein wissenschaftlich-historisches und als solches ein künstlerisches Werk ersten Ranges. Was ist das wahre Wesen der Biographie wie der Geschichtsschreibung überhaupt? Doch nicht etwa nur die lückenlose Aneinanderreihung der aus den Quellen gewonnenen Tatsachen nach ihrem zeitlichen Ablauf, sondern die Kunst, das Leben des Menschen, dem die Darstellung gewidmet ist, in seinem Werden und Wachsen oder Sinken von innen heraus zu erspüren, im Knaben oder Jüngling den Mann zu ahnen, in leisesten Andeutungen, im Gefühl, im Wort, in der Tat des Dargestellten, und möge sie zunächst noch so undeutlich und bedeutungslos erscheinen, die Linie der Lebensbahn zu verfolgen, und zu all dem die Fähigkeit, sich im Augenblick des Forschens, Erkennens und Darstellens von dem gleichen — heißen oder kühlen — Atem tragen zu lassen, den das Leben des dargestellten Menschen geatmet hat. (»Jüdische Rundschau«, Jubiläumsnummer, 17. April 1935.) »Wer sich diesen Aufstieg des Theoretikers, der Herzl zu Beginn seiner Aktion ist, zum Praktiker, der er binnen kurzem wurde» in all seinen Einzelheiten, mit all seinen kühnen Hoffnungen und jähen Enttäuschungen nahe bringen will, dem leistet nunmehr die neue Herzl-Biographie von Alex Bein (im Fiba-Verlag, Wien) vorzügliche Dienste. In allen Phasen schildert sie diesen wahren Titanenkampf um ein schier utopistisch scheinendes Ziel. Mit verläßlicher Sachkenntnis, die das ganze, sehr beträchtliche Material zum erstenmal höchst gewissenhaft zugrunde legt, mit Verehrung und Liebe, keineswegs aber in verblendeter Verzückung geschrieben, ist dieses wichtige Buch mehr als nur eine Biographie. Denn es greift in der Geschichte des Zionismus bis in dessen unpolitische, philanthropische Anfänge über Herzl zurück und geht anderseits auch wieder, die Bewegung bis zum heutigen Tage verfolgend, über ihn hinaus. Wie immer man zu diesen Dingen stehen mag: vieles, was uns heute sehr dringend angeht und leidenschaftlich beschäftigt, hat seine Reflexe in diesem fleißigen, taktvollen Werk.« (»Neues Wiener Tagblatt«, Wien, 5. Mai 1935.)