Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 4 (April 1935)
- Article
- Die Urbarmachung des Huleh-Gebietes
- Date
- 1935-04-01
- Page
- Seite 187 (sequence 2)
- Language
- German
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erfordert, daß in raschem Tempo weitere Siedlungsgebiete erworben und erschlossen werden. Es ist daher notwendig, Wege zu finden, um ohne Schädigung des Zweckes den errechneten Baraufwand soweit als möglich zu verringern. Solche Ersparungen lassen sich naturgemäß vor allem bei den Arbeitskosten erzielen, die nach den bei anderen Großarbeiten gleicher Art gemachten Erfahrungen etwa zwei Drittel der Gesamtkosten ausmachen. Wegen der großen Ausdehnung des Gebietes und der Vielfältigkeit der technischen Aufgaben (Trockenlegung, Wasserverteilung, Regulierungen, Straßen-, Brücken- und Häuserbauten, Stromzuleitung, Anpflanzungen, Bodenverbesserungen usw.) können bei richtiger Arbeitsorganisation wahrscheinlich 1000 bis 1500 Mann eingesetzt werden. Dadurch ließe sich das Tempo der Urbarmachung und Besiedlung wesentlich beschleunigen, was gewiß in jeder Beziehung erwünscht wäre. Anderseits aber ist aus rein finanziellen Gründen die Aufbietung eines solchen Arbeiterstandes nur möglich, wenn die Kosten beträchtlich unter das normale Ausmaß heruntergedrückt werden können. Eine fast noch größere Rolle aber als die Kosten spielen bei den heutigen Verhältnissen Palästinas die Schwierigkeiten, die Arbeitskräfte selbst aus dem Lande oder aus der normalen Einwanderung zu beschaffen. Die Urbarmachungsarbeiten erfordern zum größten Teile die Verwendung von Leuten, die physisch und moralisch sehr hochgestellten Anforderungen entsprechen müssen. Wenn sie aus dem Arbeiterstande Palästinas herausgezogen werden müßten, so würde das eine sehr unangenehm fühlbare Schwächung der Wirtschaft gerade an ihren wichtigsten und empfindlichsten Punkten — vor allem in den Kolonien, der genossenschaftlichen Landwirtschaft und in der industriellen Produktion — bedeuten. Selbstverständlich wird man auf die Mitwirkung der alten Garde nicht ganz verzichten dürfen. Sie wird vor allem den notwendigen Stock von land.es- und sprachkundigen, mit Klima, Boden und Arbeitstechnik vertrauten Gruppenführern, Vorarbeitern und Organisatoren zu stellen haben. Im übrigen aber muß jede Minderung des ohnedies viel zu geringen Standes an erfahrenen und tüchtigen, bereits »bodenständigen« Arbeitskräften unbedingt vermieden werden. Das Problem, das bei der Arbeitsorganisation zu lösen ist, besteht also darin, die Hauptmasse der notwendigen Arbeitskräfte aus dem in der Galuth bereitstehenden großen Reservoir heranzuziehen, und zwar mit so verminderten Kosten, daß sich daraus eine wesentliche Verringerung des rechnungsmäßigen Bargeldaufwandes ergibt. Ich glaube, daß es — zunächst für die vorliegende Aufgabe, dann aber auch für alle anderen gleicher Art — durch Ei nführung des nationalen freiwilligen Arbeitsdienstes gelöst werden kann. Dieser Gedanke, den ich mit den folgenden Ausführungen zur Diskussion stellen möchte, ist grundsätzlich durchaus nicht neu. Schon im Jahre 1905 hat M. M. U s s i s c h k i n in seiner Broschüre »Unser Programm« eine solche Forderung für die Durchführung des gesamten Kolonisationswerkes aufgestellt und bei Beginn der »chaluzischen«