Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1935)
- Article
- Landwirtschaftliche Erziehung
- Date
- 1935-02-01
- Page
- Seite 69 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Landwirtschaftliche Erziehung Gedanken und Erfahrungen aus der Arbeit im Jugenddorf Ben Schemen* Von Dr. Max Hirsch (Zwi), Ben Schemen. Wenn wir uns konkret fragen wollen, was soll und muß das Erziehungsziel einer landwirtschaftlichen Schule in Palästina sein, so müssen wir dieses Erziehungsziel in drei Gruppen unterteilen. Das erste ist die Vermittlung von Kenntnissen. Den zweiten Teil würde ich die Verbundenheit mit dem landwirtschaftlichen Beruf nennen, während als dritter die Erziehung zum zionistischen Siedler in Palästina als Ziel gesetzt werden soll. Die Kenntnisse, die vermittelt werden sollen, sind in erster Linie theoretische, und es ist selbstverständlich, daß sowohl Naturkunde, als auch Chemie und Physik einen wichtigen Platz im theoretischen Unterricht einnehmen müssen. Denn ohne dieses Rüstzeug kann heute ein Landwirt nirgends in der Welt seinem Beruf nachgehen. Außer diesen allgemeinen Fächern kommen dann die landwirtschaftlichen Fächer in Frage, das heißt die Lehre und der Unterricht in jedem einzelnen Zweig. Die naturkundlichen, wie auch die landwirtschaftlichen Fächer dürfen nicht nur theoretisch gegeben, sondern der einzelne Schüler muß auch praktisch in diesen unterwiesen werden. Beim jüdischen Schüler muß besonders darauf Wert gelegt werden, daß Theorie und Praxis Hand in Hand gehen. Wir dürfen nicht vergessen, daß der jüdische Schüler bei seinem Eintritt in die landwirtschaftliche Schule meistens aus einem nicht landwirtschaftlichen Milieu stammt und alle die Erfahrungen nicht besitzt, die ein Kind in seinen ersten. Lebensjahren ganz unbewußt im Leben eines Dorfes erwirbt, speziell wenn sein Vater dort Landwirt ist und der Knabe ihn von Zeit zu Zeit begleitet und ihm hilft. In Ben Schemen haben wir übrigens gesehen, daß hiebei kein Unterschied ist zwischen den Schülern, die aus Städten in Palästina oder jenen des Auslandes kommen. Hiezu kommt des weiteren, daß nicht nur dem Schüler diese praktischen Erfahrungen fehlen, sondern daß sie allgemein in Palästina nicht vorhanden sind. Der Aufbau der zionistischen Landwirtschaft hier ist ein Aufbau, der sich noch kaum auf die vorhandene Landwirtschaft stützen kann. Bis zum Anfang der jüdischen Kolonisation existierte in Palästina nur eine arabische Landwirtschaft. Diese ist grundverschieden von den Anforderungen, die die jüdische Landwirtschaft an sich stellen muß. Bei der arabischen Landwirtschaft herrscht vor allen Dingen die billige Arbeit vor. Diese beeinflußt den Gang der Landwirtschaft entscheidend. Sie hindert eine Intensivierung, denn die Kräfte sind nicht genügend ausgebildet; bei ganz niedrigem Lebensstandard der Arbeiter und des Fellachen ist es möglich, auch bei extensiver Bearbeitung den Unterhalt zu gewinnen. Die jüdische Landwirtschaft stellt einen gegenüber dem arabischen erheblich höheren Lebensstandard des jüdischen Arbeiters und des Bodenbesitzers in Rechnung. Und wenn deshalb Arbeitslohn und Unternehmergewinn in ihr erheblich größer sein müssen, so können sie das nur in einer intensiven Wirtschaft und — wie schon oben gesagt — diese muß neu aufgebaut werden und kann sich nur