Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Leseprobe aus der demnächst erscheinenden grossen Theodor Herzl-Biographie
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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freundlich aufgenommen, die für den Kaiser geschmückte Schule und ihre Anlagen, unterhielt sich mit den Schülern, besuchte das Grab des Begründers Charles Netter. Befriedigt von dem Gesehenen fuhr er weiter nach der Rothschildsehen Kolonie Rischon le Zion. Die Kunde von seiner Ankunft eilte ihm voraus. Niemand wußte, zu welchem Zweck er kam, mancher meinte als Korrespondent seiner Zeitung, viele andere schrieben seiner Reise größere Bedeutung zu. Daß er die Siedlung des, wie man doch wußte, ihm abgeneigten Baron Rothschild besuchte, daß er gleichzeitig *mit dem Kaiser ins Land kam, das Geheimnis, das um seine Reise gewoben war, vielsagende Andeutungen des messianischen Schwärmers Hechler, der schon vorher im Lande eingetroffen war, all das, zusammen mit dem Nimbus, der ohnehin schon auf seinem Namen ruhte, machte seine Ankunft in den Siedlungen zu einem erregenden Ereignis. Die jungen Kolonisten waren alle für ihn entflammt, durch ihre Begeisterung wurden auch die Beamten zu einer entgegenkommenderen Haltung veranlaßt. Der Direktor von Rischon le Zion empfing ihn mit freundlicher Zurückhaltung — er wollte weder bei den Kolonisten noch in Paris anstoßen. Herzl besichtigte eingehend die Weinkellereien. Eine Deputation der Kolonisten führte ihn dann in das geschmückte Versammlungshaus (Beth Am)j wo ihn eine dichtgedrängte Menge gespannt erwartete. Mit brausenden Hedarufen und gut gemeinter Musik wurde er empfangen. Der Dorfälteste begrüßte ihn im Namen der Kolonie. Herzl war sichtlich bewegt: es war ja die erste jüdische Kolonie, die er sah. In der kurzen Rede, die er als Antwort hielt, drückte er sein freudiges Erstaunen über die geleistete Arbeit aus und rühmte die ,,großartige Freigebigkeit" des Barons Rothschild, dem die hohe Dankbarkeit der Kolonisten gebühre. Das Ziel des Zionismus sei freilich größer, das ganze. Volk solle hier eine Zuflucht finden. Dabei liege es den Zionisten fern, etwas gegen den Landesherrn oder die Obrigkeit der Kolonien zu unternehmen. Die Kolonisten sollten nur weiter den Boden für die Zukunft vorbereiten, eine andere zionistische Arbeit werde nicht von ihnen verlangt und erwartet. Mit großer Begeisterung wurden seine Worte aufjgemommen. Danach besah er einzelne Häuser, betroffen von der schlechten Lage der Arbeiter, und ließ sich vom Arzt Dr. Mazie über das herrschende Fieber berichten, mit ihm von der Notwendigkeit großzügiger Drainagen und Entsumpfungen überzeugt. Im ganzen