Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 18 (1935)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1935)
- Article
- Kultursiedlungen für Palästina [Nachricht]
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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II. Die Zielsetzung. Als ersten Schritt sollen die Ankömmlinge Wohnungen für sich bauen. Damit nehmen sie niemandem Wohnung oder Arbeit weg. Sie werden auch sonst niemandem im Wege stehen, wenn sie sich kompakte Siedlungen, abseits von den vorhandenen, schaffen. Eine Siedlung muß so groß sein, daß dort die Befriedigung aller Bedürfnisse des täglichen Lebens eines Kulturmenschen ermöglicht wird. Es . müssen also in dem notwendigen Ausmaß vorhanden sein: Geschäftsläden, Schneider-, Schuster-, Installateur- und Möbel-Reparaturwerkstätten usw., Speisehäuser- Kaffeehäuser, Kino-, Theater-, Musik- und Lesesäle, Büchereien, Kindergarten, Volks- und Mittelschule, Hausspital, Sportplätze, Sommer- und Winterbäder, Waschanstalt usw. usw. Diese Bedingungen können bei 600 bis 1000 Familien wirtschaftlich erfüllt werden. Entgegen den bisher gebauten primitiven Einfamilienhäusern — welche dev heutigen technischen Kultur widersprechen — schwebt mir ein einziges Hochhaus vor, welches mit allen Errungenschaften der modernen Technik ausgestattet ist. Zentralheizung, fließendes kaltes und warmes Wasser, elektrischer Strom für alle Zwecke, Ueberlandtelephon usw. sind in diesem Hause eine Selbstverständlichkeit. Diese Bau- und Wohnweise ist nicht nur bequemer, sondern auch wesentlich billiger als die technisch überholten, kleinen Wohnstätten. Dabei benötigt sie auch weniger Bodenfläche. Aus den zu-* sammengelegten Gärtchen von 1000 Einfamilienhäusern wird ein mächtiger Park entstehen, in welchem auch für einen rationell betriebenen Gemüsegarten und eine Geflügelfarm Platz gefunden wird. (Die detaillierte Beschreibung dieses Hauses nebst Bauplänen wird im Buche „Kulturwohnungen für alle Menschen!" gegeben werden, Dieses Buch wird in Kürze ererscheinen und berufene Fachleute werden erörtern, welche Vorteile dieses System bezüglich Förderung der Gesundheit, des Familienlebens, des Schulunterrichtes, der Kunst, aber auch durch Förderung der Lebens-, Feuer- und Vermögenssicherheit hat.) Unwillkürlich taucht die Frage auf: Wer wird in diesem Hause w o h n «e n? In erster Reihe die Menschen, die dort zu tun haben, die dort ihre Existenz haben: die Besitzer und Angestellten der Geschäftsläden, die Lehrer, die Aerzte, die Reinigungsarbeiter, die Gärtner usw. Bei genauen Zusammenrechnung aller dieser Kategorien ergibt sich, daß 60°/o der Wohnungen durch diese natürlichen Bewohner des Hauses besetzt sind. Das Haus ist also zu 60o/o autark, ohne jede Künstelei, ohne jeden Z w a n g. Dieses Haus wurde für Wien geplant. Wenn wir aber das Haus aus der Großstadt in die Mitte einer Ackerfläche verlegen, dann kann es sich auch mit Lebensmitteln selbst versorgen. Wer die Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren beobachtet hat, der weiß, daß heute der Ertrag des Bodens weniger von der natürlichen Beschaffenheit als von der Meliorierung und Bearbeitung abhängt. Ja die meliorierten Flächen sind sogar besser als diejenigen, welche früher als fruchtbar gegolten haben. Diese Landwirtschaft soll selbstverständlich mit Ausnützung aller Fortschritte der Wissenschaft und Technik betrieben werden. Dann wird es nicht notwendig sein, daß 40 bis 50 0/0 der Bevölkerung (wie es sonst der Fall ist) für die Lebensmittelgewinnung benötigt werden, sondern nur etwa 15 0/0. Aber