Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 11 (November 1934)
- Article
- Die jüdische Wirtschaft und ihre Entwicklungstendenzen
- Date
- 1934-11-01
- Page
- Seite 473 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379916-2379924-2402398--18658-2402648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
peinliche Feststellung ist es, wenn der Grund hierfür nur in einer gewissen Lohndifferenz liegt, die dazu ausreicht um Wichtiges zu zerstören, dessen Aufbau so lange Zeit und so große Opfer erforderte. So verliert das Gesamtbild des Wirtschaftsaufstieges vieles von seinem bestechenden Glanz. Hoffen wir, daß die bitteren Erfahrungen de£ vergangenen Jahres eine Lehre für die nachfolgende Zeit sein werden. Lohnprobleme in Palästina. Von Dr. Walter Preuß, Tel-Aviv. Vorb. d. Red.: Der Verfasser ist Leiter der statistischen Abteilung der „Histadruth". Die Geschichte des jüdischen Jischuws in Erez Israel ist reich an Interessengegensätzen mannigfacher Art, die ihren Ausdruck in Spaltungen und Parteiungen haben, die ihrerseits auf die Richtung der Einwanderung ins Land und auf die gesamte ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung von großem Einfluß waren und sind. Die Argumente, die in diesem Kampf vorgebracht werden, sind, wie überall, zu einem erheblichen Teile emotioneller Natur, „von der Parteien Haß und Gunst verwirrt", und sind als solche oft logischer Widerlegung nicht zugänglich. Nun hie Und da begegnen wir Behauptungen, die einer ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchung oder, je nach dem Standpunkt, Widerlegung zu unterziehen überhaupt möglich1 ist. Zu ihnen gehören in erster Reihe diejenigen, die tatsachenmäßig, ßm besten zahlenmäßig begründet werden, so daß die Möglichkeit besteht, ihre Wahrheit oder Unwahrheit zu überprüfen. Nicht immer werden selbst Untersuchungen dieser Art überzeugen, sicher nicht den, der nicht überzeugt wierden will; wenn es aber überhaupt einen Ausweg, und sei er auch nur einen zeitweiligen, aus dem verwirrenden, unheilvollen Netz der schweren Interessenkontflikte gibt! (an eine absolute Beilegung ist im kapitalistischen Systeme nicht zu denken) wenn wenigstens angestrebt werden sollte, die Formen, in den/e-n diese Kon.-* flikte vielfach heute ausgetragen werden, zu mildern, so kann das nur auf diesem Wege der möglichst weitgehenden Rückführung der Gegensätze auf dem Boden der Tatsachen und Ziffern geschehen. Eines der wichtigsten Streitobjekte, das einer solchen nüchternen Sezierung zugänglich ist, ist das Lohn problem der jüdischen Arbeit. Von drei Seiten her steht diese Frage heute im Mittelpunkt der Diskussion im Lande. Einmal als Argument im Kampfe für oder gegen jüdische, „gemischte" oder arabische Arbeit in den jüdischen Pflanzungskolonien (Lohnspanne zwischen jüdischer und arabischer Arbeit); die Wichtigkeit dieses Problems für die Entwicklung des Landes und die Zukunft der Einwanderung, der die Kolonien viele Jajhre hindurch als Hauptaufnahmeplatz dienten, während heute;, trotz der großen wirtschaftlichen Entwicklung der Pfbanzungszone, dieser Strom wie abgerissen erscheint, lassen die Schwere der Kämpfe^ die heute in Kfar Saba Und anderswo sich abspielen, verständlich erscheinen. Hier erhebt sich für unser Thema die Frage, inwieweit diese Lohndifferenz als entscheidendes Argument im Kampf gegen das Eindringen arabischer Arbeit in die jüdische Aufbauzone überhaupt von ausschlaggebender Bedeutung ist (das „Gewicht" des Lohnfaktors in Zusanimenhang mit den Gesamtkosten); neuer-