Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1934-08-01 · Heft 8-9 (August 1934) · p. Seite 391

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 8-9 (August 1934)
Article
[Rezension]
Date
1934-08-01
Page
Seite 391 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379916-2379922-2401569--18321-2401834
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tragsbesteuerung den wirtschaftlich am wenigsten leistungsfähigen Teil der Bevölkerung trifft. Auf S. 273 des Buches gibt der Verfasser die Belastung einer Fellachenfamilie mit pal. Pfd. 4,5 bis 5 Steuern jährlich als drückend zu, bestreitet allerdings auf der gleichen Seite weiter oben, daß die Kopfbela-» stung von pal. Pfd. 0,872 eine zu hohe Belastung sei. In Wirklichkeit ist sie tatsächlich hoch und für die Fellachenbevölkerung (abgesehen von Mißerntejahren) gleich schwer geblieben, wenn auch der Anteil der landwirtschaftlichen Steuern am Gesamtaufkommen zurückgegangen ist. Das hängt aber mit der gewaltigen Steigerung der Einnahmen aus anderen Quellen zusammen, die bisher jedenfalls nicht dazu verwandt worden sind, die individuelle Steuerlast des Fellachen zu ermäßigen. Unter dem Gesichtspunkt der Steuergerechtigkeit ist es ein Unfug, wenn die Fellachenfamilie mit einem landwirtschaftlichen Einkommen von 25—30 Pfund 4—5 Pfund an direkten Steuern zu entrichten hat, eine Siedlerfamilie mit 180 Pfund Einkommen 15—25 Pfund, während ein Hypothekengläubiger, ein Wertpapierkapitalist, ein Kaufmann oder ein Anwalt von einem Einkommen von Tausenden von Pfund nicht einen Piaster Steuer zu entrichten haben! Ein anderes aktuelles Problem, auf das der Verfasser nur kurz eingegangen ist, bietet die steuerliche Erfassung des Bodenwertzuwachses. Die letzten Jahre haben in Palästina eine beispiellose Erhöhung der Bodenpreise in und bei den Städten gebracht. Die Spekulation hat mühelos ungeheure Summen verdient. Der Mangel einer einfachen Wertzusatzsteuer, wie sie in vielen anderen Ländern besteht, hat die Bodenspekulation geradezu begünstigt. Es ist klar, daß hier die Einführung einer Steuer, die entweder in der Form einer Wertzuwachssteuer beim Eigentumsübergang oder einer Steuer auf unbebaute Grundstücke hätte erhoben werden können, für die Wirtschaft des Landes sehr heilsam gewesen wäre, und, indem sie als Bremse für die Mietpreisentwicklung gewirkt, eine Entlastung der in mancher Hinsicht recht drückenden indirekten Besteuerung (Zölle) ermöglicht hätte. Diese Bemerkungen sollen jedoch den Wert des überaus informativen Buches nicht beeinträchtigen. Es ist die erste umfassende Darstellung dieses Gebietes, für die ihm der theoretisch und der praktisch Interessierte Dank schulden. Alfred Bonne. Paläsüixafounde IL Teil: Bürgerkunde. Mit zahlreichen Karten, Diagrammen und Tabellen^ von Dr. Hugo Herrmann, Fiba-Verlag, Wien 1934, S. 276. — Es ist im Grunde unbegreiflich, daß erst nach anderthalb Jahrzehnten jüdischen Aufbauwerkes eine richtige „Palästinakunde" geschrieben wird. Dafür <aber wird dieses Werk mit seinen stetigen künftigen Erneuerungen ein absolut unentbehrliches Lehr- und Niachschlagebuch für alle zionistischen und sonstigen Palastina interessierten Kreise sein: „Der" Herrmann. Das vorliegende Buch ist eine Musterleistung an Uebersichtlichkeit der Disposition, Genauigkeit und Fülle des Stoffes. Es gibt alle wichtigen Daten über Bevölke-» rung, Staatsrecht, Verwaltung, Wirtschaft, Altertümer, Fremdenverkehr usw. Die sehr zahlreichen ausführlichen Tabellen, Diagramme und Abbildungen, die Abwechslung im Drucke und die übersichtliche Anordnung machen die Benützung des Buches zu einer großen Annehmlichkeit. Wir begrüßen das Erscheinen dieses Werkes mit besonderer Freude und sind nicht nur dem Autor, sondern auch dem Verlag, der unermüdlich in seimen Palästina-Editionen ist, dafür, dankbar. ad. bnt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.