Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1934)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. A.T.
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 345 (sequence 2)
- Language
- German
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^wiegende Majorität der jüdischen Bevölkerung im Lande mit der jüdischen Arbeiterschaft in diesem Kampf solidarisch erklärte. Die Intervention der1 verschiedensten nationalen Instanzen (darunter auch des Waad Leumi und des zionistischen Aktionskomitees, das gerade damals in Jerusalem, tagte) blieb erfolglos, selbst der am 12. April zwischen dem Arbeiterrat in Kfar Saba und den Kolonisten unterfertigte Vergleich, wonach die Kolonisten sich verpflichteten, die arabischen Arbeiter zu entlassen, falls ihnen eine entsprechende Zahl jüdischer Arbeiter zugeteilt würde, wurde einige Tage darauf durch die Kolonisten gebrochen, worauf der Kampf von neuem einsetzte. Im Augenblick, wo diese Zeilen niedergeschrieben werden (Mitte August) stehen noch immer die Arbeiterposten vor den Orangengärten mit arabischer Lohnarbeit, deren Zahl sich inzwischen noch vergrößert und auch auf die naheliegende Kolonie Herzjiah hinübergegriffen hat. Viele Mitglieder der Posten sind inzwischen entweder durch die administrativen Behörden oder durch die Gerichte zu -schweren Gefängnisstrafen (zumeist mit Zwangsarbeit verbunden), verurteilt worden. Die Regierung stellte sich also in dieser Frage ganz auf die Seite der Kolonisten, sie veröffentlicht sogar (am 3. Mai d. J.) ein Amendement zum früheren Gesetz zur Verhütung von Terrorakten, wonach die sonst zugelassenen Streikposten als strafbar erklärt werden dort, wo sie sich gegen Beschäftigung von fremdnationalen Arbeitern richten. Soweit der trockene Sachverhalt. Doch sind diese Dinge wohl kaum ohne den Hintergrund der Ereignisse zu verstehen, der si;ch, wie erwähnt, in diesem Falle vielfach anders gestaltet, als es im Kampf um jüdische Arbeit in den Kolonien in früheren Jahren der Fall war. Ohne zunächst auf die Argumentation der Kolonisten und der Arbeiter einzugehen, auf die wir in der Folge noch zurückkommen werden, sei darauf hingewiesen, daß der Kampf in Kfar Saba, eine der traurigsten Konsequenzen des Arbeitermangels darstellt, der in Palästina seit vielen Monaten herrscht und auf dem Wirtschaftsleben des Landes schwer lastet. Das gewaltige Tempo der Entwicklung in den letzten zwei Jahren, durch das ununterbrochen ins Land hereinströmende Kapital verursacht, hat das Bedürfnis nach Arbeitshänden vielfach gesteigert, ohne daß die durch die Regierung scharf begrenzte Einwanderung im Stande wäre, dieses Bedürfnis in entsprechender Weise zu befriedigen. Daraus resultiert eine weitgehende berufliche Umgruppierung innerhalb der Arbeiterschaft und ein relatives Zurückgehen derjenigen Arbeitszweige, wo die Arbeit iam schlechtesten entlohnt wird, also in der Hauptsache der Arbeit in der Landwirtschaft/ Im Lauf der letzten zweieinhalb Jahre ist nach einer provisorischen Berechnung die Zahl der in der Histadruth organisierten Arbeiterschaft von 27.700 auf 50.500, also um 80,7 o/o gestiegen, doch macht der Zuwachs, um nur die wichtigsten Zweige zu erwähnen, bei der Bauarbeiterschaft 266,7 o/o, im Transport^ wesen 94,5o/o, in der Industrie und im Handwerk 76,4% und in den eigenen landwirtstchaftlichen Betrieben der Arbeiterschaft 66,7 o/o aus, indes die Zahl der landwirtschaftlichen Lohnarbeiter sich! gar nicht geändert hat. 4500 waren es im Januar 1932, 4500 blieben nach einem vorübergehenden Ansteigen im Jahr 1933 auf 10.000, im Juli 1934. Der Perzentsatz dieser Arbeiter innerhalb der 'Gesan-tmitgliedschaft der Histadruth ist denn auch auf fast die Hälfte (von 16,3 auf 8,9o/o) gefallen. Und dies bei einer gewaltigen Entwicklung der jüdi* sehen Landwirtschaft, die die anderen Wirtschaftszweige zumeist weit hinter sich läßt. Hat sich ja die Fläche der jüdischen Orangengärten im Lande im