Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1934)
- Article
- Die Verbesserung der Viehzucht (2)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 336 (sequence 3)
- Language
- German
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Gründe der Fehlschlage, die natürlich nicht ausblieben, und die Möglichkeit, wie man diesen begegnen kann, habe ich in meiner ersten Arbeit niedergelegt* brauche sie also hier nicht mehr zu wiederholen. Die derzeitige Milchnot und die erhöhte landwirtschaftliche Kolonisation^ mit ihrem Bedarf an Kühen, haben erneut das Problem der Einfühle europäischen Viehs auf die Tagesordnung gebracht und will man nunmehr neben der Einfuhr der alten Niederungstiere plötzlich auch Höhenvieh im Erez heimisch machen. Als Gründe hierfür werden angegeben: das Hierabgehen des Milchfettgehaltes in den alten Zuchten und der billigere Anschaffungspreis des Höhenviehs. Zu ersterem ist zu sagen, daß man in der Lage ist, durch sachgemäße Züchtung^ durch systematische Milch- und Fütterungskontrolle, deren Anfänge wir ja auch schon in Palästina haben, und durch5 Einführung moderner Melkmethoden diesem Uebelstande zu begegnen. Dem höheren Ankaufspreise der schwarzweißen Tieflandrinder sollte man nicht solche hone Bedeutung beimessen, na.ch.dem Dr. Schwager in genauen statistischen Berechnungen nachgewiesen hat, daß bei der Rentabilität der Tiere gerade im Erez infolge des teuren Unterhalts, der Ankaufspreis nur eine sehr ,unte,l)geordnete Rolle spielen undnur die Leistung des Tieres die Rentabilität sichert.*) Wenn also andere stichhaltigere Gründe für die Einfuhr einer neuen Rasse nicht vorliegen, da von einem Versagen des schwarz-weißen Tieflandrindes und seiner Kreuzungsprodukte nicht die Rede sein kann, so sprechen doch gewichtige Gründe gegen die Einführung neuer Rassen und im besonderen gerade des Schweizer Höhenviehs. Zunächst wird jede neue in dieses kleine Land eingeführte Rasse, das schoni vorhandene Tohuwabohu von zur Zeit mindestens sieben verschiedenen Rassen und Rassenkreuzungen, zwangsläufig auf 15 her auf schrauben. Ein züchterischer Unsinn, der selbst dann verhindert werden müßte, wenn diese Höhentiere sich wirklich im Erez gut akklimatisieren sollten. Gegen diese Einführung spricht aber auch die gewaltige Verschiedenheit in den äußeren Lebensbedingungen, welche die zu importierenden Schweizer Kühe: in Palästina zu erwarten haben. Ist doch die Schweif ein Land mit kühler, staubfreier Luft, ausgesprochenem Seeklima und besonders niedrigem atmosphärischem Luftdruck. Im Gegensatz hierzu hat Palästina ein heißes, trockenes Kontinentalklima mit gefürchteten Staubwinden und höchstem, atmosphärischem Druck. Auch erwartet die Tiere im Erez statt bester, saftiger Weide nur reine Stallhaltung. Glaubt man, daß solche Tiere, außer als Abmelkkühe, sich! im Erez dauernd werden halten können? Müssen diese Tiere nicht später in der Fortpflanzung und in der Nutzung versagen? Ich will gern zugeben, daß alle wissenschaftlichen Begründungen und Theorien nur halbe Wahrheiten sind, wenn ihnen nicht der empirische Beweis zur Seite steht. Mir wird aber bestimmt zugestanden wer!den müssen, daß sich unsere Kolonisten nicht den Luxus leisten können, rein empirisch unter Hintansetzung wissenschaftlicher Argumente drauflos zu probierjen. So etwas! kostet in der Viehzucht nicht nur Geld und Enttäuschung, es können auch vom züchterischen Standpunkte aus gesehen, Schäden hervorgerufen werden, die manchmal selbst in Jahrzehnten nicht wieder gut gemacht werden können. *) Siehe Artikel „Die Rinderzucht", Jahrgang 1929, Nr. 2/8.