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Palästina · 1934-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1934) · p. Seite 276

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1934)
Article
Wirtschaft. Von a. b.
Date
1934-06-01
Page
Seite 276 (sequence 7)
Language
German
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Zustand nur wenig geändert. Es ist unbegreiflich, warum eine Regierung, die monatlich 100.000 Pfund Ueberschuß erzielt, so wenig Geld für das Elementarschulwesen aufwendet (im Jahre 1931/32 6,49 o/o der Einnahmen, rund 185.000 Pfund). Sollten diejenigen Recht haben, die behaupten, daß die englische Regierung absichtlich die Fellachen in Unwissenheit erhalten will? Gewiß bewirkt der Geldstrom, der sich von der jüdischen Wirtschaft in die arabische ergießt, eine Hebung weiter Schichten des arabischen Volkes; das gilt aber nicht für die große Masse der getreddebauenden Fellacheni. Schon der Verfall der Ernten — an Winterfrüchten wurden z. B. 1932 nur die Hälfte von dem Ertrag von 1930 erzielt — bei rasch zunehmender Kopfzahl der Familien zeigt, in welch elender Lage sich diese befinden. Daß das Angebot billiger Arbeitskraft aus diesen Schichten, verstärkt auch noch durch' Einwanderer aus den Nachbarländern auf die überhöhten Löhne der Juden direkt oder indirekt wirken muß, ist zweifellos. Keine Wirtschaft läßt sich auf die Dauer hermetisch von der Umwelt abgrenzen, noch von der internationalen Ausgleichung der geldlichen Kaufkraft abschnüren. Dies scheint auch! die Ansicht des Oberkommissärs zu sein, der immer wieder auf die Notwendigkeit hinweist, daß die Juden auch Araber beschäftigen. Es ist schwer, von dem verantwortlichen Leiter der Politik zu verlangen, daß er d,ie unwiderlegbaren zionistischen Gründe, die gegen diesen Standpunkt sprechen, immer voll würdigt. Es ist sicher noch schwerer, ihm begreiflich! zu machen, daß eine Forderung von 20.000 Zertifikaten im Halbjahr, was einer Gesamteinwanderung aller Kategorien von ca. 100.000 Juden im Jahr (40 o/o der vorhandenen Zahl) entspräche, nach! den genauen Arbeitsplatznachweisen der Exekutive (die auf Grund sehr detaillierter Erhebungen erfolgen) gerechtfertigt ist. Wejnn er aber nicht einmal ein Drittel der angeforderten ZahJL bewilligte, und dies hauptsächlich aus Angst vor Abbruch der Konjunktur, so ist das auch vom rein ökonomischen Standpunkt ein unrichtiges Vorgehen. Da der Zustrom kapitalbesitzender Juden nicht nachläßt und schon aus diesem Grunde die Bau- und Investitionstätigkeit vorläufig weiter gehen wird, so hat eine künstlich erzeugte Knappheit an Arbeiterhänden nur wieder die unerwünschten Folgen einer Ueberhöhung der Löhne, eines Abströmens der Arbeiter vom Lande und aus der Industrie in das städtische Bauwesen usw., bedeutet also eine Förderung; ungesunder Verhältnisse, deren Bestehen viel eher einen Rückschlag verursachen wird, als wenn bei einem Stand von 60.000 Arbeitern im Lande tatsächlich 2000 bis 3000 Menschen „zu viel" einwandern würden! Andererseits muß vom rein ökonomischen Standpunkt davor gewarnt werden, die Möglichkeiten der Entwickjung zu überschätzen und diejenigen ihrer Verlangsamung zu unterschätzen. Wenn auch vielfach außerökonomische Gründe das jüdische Kapital nach Palästina treiben, so zeigt schon das immer stärkere Tempo des Anschwellens der Depositen in den Banken, die Tatsache, daß die gar nicht börsemäßig verwertbaren Pfandbriefe palästinensischer Institute! pari und über pari stehen, sowie die vorhandene Kreditflüssigkeit, daß d a a Kapital schon jetzt lange nicht in dem Maße Anlage finden kann, als es solche sucht. Es wird nötig sein, die weitere Entwicklung mit Aufmerksamkeit zu verfolgen und sich von der Haussestimmung nicht blenden zu lassen. Von der gesunden Wirtschaftsentwicklung des Landes hängt seine Fassungskraft in erster Linie ab und diese ist für die zionistische Bewegung von ausschlaggebender Bedeutung.

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