Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1934)
- Article
- Das Konjunkturrätsel in Palästina
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 241 (sequence 9)
- Language
- German
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Außer diesen allgemeinen Faktoren gibt es jedoch noch besondere spezifische Bedingungen, die die Industrialisierung in Palästina fördern. Wir haben1 bereits den Import des Kapitals erwähnt, das um jeden Preis eine Anlaige sucht, die größtenteils mit seinem Eigentümer ins Land kommt. Diese Einwänderung sowohl der Kapitalisten als auch Arbeiter hat einen besonderen Charakter. Sie wird oft durch politische und soziale Faktoren verursacht und ist das Resultat von Verfolgungen. Jede Welle bringt Sachverständige ins Land, die von gut dotierten Stellungen im Auslande verdrängt wurden. Die Rolle der Immigration der Flamen nach England bei der Gründung der englischen Wollindustrie ist wohl bekannt. Der Einfluß der Einwanderung der Hugenotten nach Kanada und jene von Puritanern nach Nordamerika war wohl für diese Länder entscheidend. Religiöse, politische und soziale Verfolgungen haben seit undenklichen Zeiten zur Uebertragung von Industriezentren von einem Lande ins andere geführt; sie haben Länder zerstört Utnd Länder aufgebaut. Dieser Faktor hat eine wachsende Bedeutung angesichts der Eimanzipation der Industrie von der Rohstoff-Basis. Heute ist es leichter, in jedem Lande die Industrie aufzuziehen und deshalb hat der Experte und der qualifizierte Arbeiter für die Wirtschaft eine besonders große Bedeutung. Ein Industrieller in Palästina gab die Zahl der Arbeitsstunden pro Produktionseinheit vor einem Jahre und heute? als Beweis der großen Fähigkeiten des Arbeiters in Palästina bekannt und tatsächlich bedeutet die nachgewiesene Reduktion der Arbeitsstunden von 2400 auf 670 pro Produktionseinheit einen beträchtlichen Erfolg. Andere Industrielle mit großen Erfahrungen im Auslande bezeugen, daß der palästinensische jüdische Arbeiter den qualifiziertesten Arbeitern in dien entwickeltsten Ländern der Welt nicht nachsteht. Erfahrene Industrielle vieler Zweige kommen mit ihrem Kapital und wenden sich natürlicherweise Zweigen zu, die sie gut kennen. Diej&e Erscheinung hat eine besondere Bedeutung für die Beschleunigung des Prozesses der Industrialisierung und die Erweiterung des Produktiansapparates. Von Wichtigkeit ist auch der Fall der Preise für die industrielle Ausrüstung infolge der Weltkrisis. Die Industriellen im Lande kaufen oft wenig gebrauchte Maschinen jener Fabriken, die wegen der Krise stillgelegt wurden. Eine solche durchaus! moderne Ausrüstung kostet heute nur 25—30o/o des normalen Preises. Selbstverständlich bedeutet eine solche Verbilligung der Investition eine Verringerung der Amortisationszahlungen und der Zinsen auf das investierte Kapital. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber den europäischen Industrien, die eine schwere Last für Amortisation und Verzinsung zu tragen haben. Als das Haupthindernis für die Entwicklung der Industrie muß ein politisch administrativer Faktor betrachtet werden, nämlich der ziemlich niedrige Zolltarif. Unter dessen Herrschaft ist die Konkurrenz d|er Produkte aus Ländern, die billige Arbeit exploitieren und ihre Industrie subventionieren, besonders schwer. (Japan.) Auch die Steigerung des Konsums bedeutet daher noch keine Garantie, daß die Industrialisierung eines Landes Erfolg hat, solange es einen Dumping-Import gibt, der die Vorteile dieser Konsumerweiterung genießen kann. Allerdings ist die Zollfrage an sich eine sehr heikle, da sie die Interessen der Konsumenten berührt. Jedenfalls hat auch vom Standpunkt des Konsumenten der Zoll auf Rohmaterialien, der in einigen Industrien im Lande existiert, keinen Sinn. Dasselbe trifft auf die Weigerung der Regierung zu»