Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 184 (sequence 4)
- Language
- German
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Arbeiterpartei zu bestimmten religiösen Postulaten, die bisher hauptsächlich vom Misraehi als Kampfparolen verwendet wurden. Die Arbeiter-Organisation war in ihren Ursprüngen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts stark aus extrem freidenkerischen Tendenzen beeinflußt und ließ sich von dieser Linie nicht; abdrängen, obwohl gerade geistig maßgebende Führer der palästinensinensischen Arbeiter ein positives Verhältnis zur Religion haben und auch religiös leben. In dieser Sitzung hat die Arbeiterschaft zugestimmt, daß die Beobachtung des Sabbath und die Kaschruth in den öffentlichen Arbeiterküchen durchgeführt werden sollen. Diese Erklärungen wurden sogar mit einem sehr schönen Bekenntnis zur Ehrwürdigkeit der jüdischen Tradition verbunden. Es war ein bedauerlicher Mißklang, daß der Misraehi, statt dieses Entgegenkommen anzuerkennen, in seiner Opposition verharrte und damit klar bewies* daß es ihm nicht auf religiöse Postulate ankommt. Trotz Erfüllung seiner religiösen Forderungen hat der Misraehi die Teilnahme an der Exekutive abgelehnt und ein Mißtrauensvotum eingebracht, das freilich mit großer Mehrheit abgelehnt wurde. Wenn also in der Hauptfrage die Sitzung eigentlich resultatlos verlief, so wird doch von ihren Teilnehmern betont, daß diese Sitzung in weit höherem Maße als ihre im Gallith abgehaltenen Vorgängerinnen zu einer Klärung und Annäherung geführt habe. Man habe mehr als sonst den Druck der sachlichen Probleme gespürt und es war der Wunsch zu merken, eine Wiedergeburt der zionistischen Bewegung in die Wege zu leiten, ihr den alten Schwung wiederzugeben, und damit dafür zu sorgen, daß durch die öffentliche Meinung einer politisch gereiften und in ihrem Willen einheitlichen Volksbewegung eine maßgebende Autorität wieder gesichert wird. Bestrebungen dieser Art sind bereits im Gange und einige unmittelbar nach der A. C.-Tagung in Palästina abgehaltenen Konferenzen lassen erkennen, daß die gewonnene Einsicht auch in Aktivität umgewandelt wird. Es sei noch erwähnt, daß bei dieser Sitzung des A. C. zum erstenmale sein langjähriger Präsident, der Präsident der Zionisten-jKongresse, Leo Motzkin. der im November gestorben ist, fehlte. Zum Zeichen der Trauer wurde für ein Jahr kein neuer Präsident des A. C. gewählt. Ferner ist es für die Sachlage bezeichnend, daß diesmal nur das zionistische A. C. und nicht auch das aus Zionisten und Nichtzionisten gewählte Admir^istrativ-Komitee der Jewish Agency zusammentrat. Ein Symptom dafür, daß die alten Formen unbrauchbar geworden sind. Das A. C. hat, wie schon so oft, eine Kommission eingesetzt, die für den künftigen Kongreß eine totale Reorganisation vorschlagen soll. Ob die Kommission den Mut zu wirklich radikalen Vorschlägen haben wird und ob der Kongreß solchen Vorschlägen seine Zustimmung geben wird, läßt sich schwer voraussehen. Alte Organisationsformen «haben wegen der Trägheit eine eigentümliche Lebenskraft, wenn sie nicht von außen zertrümmert werden. Und doch ist es die zentrale Lebensfrage des Zionismus, ob er sich zu einer Umformung im Sinne der vollkommen veränderten Verhältnisse und Aufgaben wird entschließen können. Davon wird es abhängen, ob eine im wesentlichen von Angehörigen der jetzt absterbenden Generation getragene Sache auch der neuen Generation und ihrem Deoiken und Fühlen zugänglich sein wird.