Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 182 (sequence 2)
- Language
- German
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Es mangelt auf allen Seiten die Erkenntnis, daß um des höheren Interesses willen kleinere Interessen einzelner Gruppen geopfert werden müßten. Seitdem auf dem letzten Zionistenkongreß im August 1933 eine Exekutive gewählt worden war, die im wesentlichen aus Mitgliedern der Arbeiterpartei und der sogenannten Gruppe A der Allgemeinen Zionisten besteht, wurde von den Grruppen, die außerhalb dieser Koalition gebildet sind, alles getan, um die Autorität der Exekutive zu schwächen. Führend sind dabei die Revisionisten, die überhaupt die gegenwärtige Zionistische Organisation zerschlagen möchten' und insbesondere die Arbeiterpartei als ihren Hauptgegner betrachten. Der Misrachi in seiner offiziellen Führung (es gibt auch dissentierende Misrachi-? Gruppen) ist nur wenig von den Revisionisten zu unterscheiden; er hat längst aufgehört, eine* vorwiegend religiös orientierte Partei zu sein und verwandelte« sich in eine kleinbürgerliche, chauvinistische, politisch extreme Gruppe. Zu diesen beiden Parteien treten dann die Allgemeinen Zionisten Gruppe B als ein der gegenwärtigen Exekutive opponierendes Element. Diese Gruppe B, die im Grunde die Entscheidung für eine Neugestaltung der Verhältnisse in der Hand hätte, ist entstanden aus der Gegnerschaft gegen Dr. Weizmann und stützt sich heute vor allem auf die Kreise, die im Gegensatz zur Arbeiterpartei stehen. Es sind nicht ganz einheitliche Motive, die die Galuthgruppen und die palästinensische Gruppe dieser Partei in die Opposition treiben. Zu den genannten Oppositionsgruppen treten aber noch gewisse Kreise, die innerhalb der heutigen Struktur der Zionistischen Organisation gar keinen Platz finden, im Leben Palästinas a her wichtige Faktoren darstellen, wie z. B. die in einem besonderen Verband (Hitachduth Haikarim) zusammengeschlossenen Pflanzer oder die ebenfalls bereits organisierten Industriellen. Die formale Demokratie des zionistischen Wahlapparates drängt diese relativ numerisch schwachen Gruppen zurück. Sie betrachten sich gleichfalls als Gegenspieler der Arbeiterschaft, mit der sie häufig Konflikte haben, und sie übertragen diese Gegnerschaft auf die Exekutive, in der die Arbeiterpartei sitzt. Die Exekutive hat gegenüber diesem starken inneren Druck keinen leichten Stand. Weit entfernt davon, sich der Entscheidung des Kongresses zu fügen und die Exekutive zunächst für die laufende Legislaturperiode als legitim anzuerkennen, treten die OppositioWs-» gruppen dauernd mit ihren Ansprüchen hervor, ja scheuen auch nicht davor zurück, mit Regierungsstellen und anderen äußeren Faktoren unter Umgehung der Exekutive in Verbindung zu treten. Dabei hat die Exekutive angesichts der rapiden Veränderung der palästinensischen Realität und der deljLkaten politi^ sehen Lage gar nicht die Möglichkeit, sich mit innerpolitischen Auseinandersetzungen abzugeben. Als somit Ende März das Zionistische Aktionskomitee in Jerusalem zu einer Zitzung zusammentrat, wurde es als eine der Hauptaufgaben empfunden, eine innere Befriedung im Zionismus herbeizuführen. Dies sollte womöglich auch durch eine Erweiterung der Exekutive dokumentiert werden, indem einzelne Vertreter der bisher draußen gebliebenen Gruppen in die Exekutive aufgenommen würden. Es war die erste Sitzung des A. C., die in Palästina stattfand, und es lag nahe, daß sie stark palästinensischen Zuständen zugewandt war. Ein Hauptherd des Unfriedens sind die fortgesetzten Arbeiterkonflikte, einerseits zwischen Pflanzern und der Arbeiterorganisation, die die Beschäftigung arabischer Arbeiter nicht dulden will, andererseits zwischen der Arbeiterorganisation und den nicht organisierten, vorwiegend revisionistisch orientierten