Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Maritime Aufgaben
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn der Mann mit einem angestellten Matrosen fährt, und die Frau für die Instandhaltung der Netze sorgt, ein gehöriges Einkommen liefern kann. Es gilt als ziemlich sieher, daß man im östlichen Mittelländischen Meer die Fisehereimethoden der Nord- und Ostsee nicht einfach nachahmen können wird. Wahrscheinlich auch nicht die Methoden des westlichen Mittelmeeres. Die Seefischerei wird, um rationell zu arbeiten und gute Fangresultate zu erlangen, Untersuchungen der Beschaffenheit des Meeresbodens betreiben müssen. Wenn nicht in Palästina, so wird man in England oder Holland, wenn Proben des Meeresbodens eingeschickt werden, auf Fischreichtum oder Fischarmut der betreffenden Seegegenden schließen können. Es wird zu den Aufgaben der Fischer gehören, die Brutplätze der vorkommenden Fischsorten zu finden und die Brutzeiten zu ermitteln. Erst seetüchtige, wenn auch kleine Schiffe, werden es den Fischern möglich machen, weitere Reisen zu unternehmen und die für den Fischereibetrieb unerläßlichen praktischen Erfahrungen zu sammeln. Die Erfolge der Frachtfahrt (später eventuell eines Passagierverkehrs zwischen Palästina—Syrien—Cypern und Aegypten)., werden von der Seetüchtigkeit der Schiffe, der Verläßlichkeit der Navigation und der Behandlung der Ladung abhängen. Dieser ungemein wichtige Teil des jüdischen Aufbauwerkes muß, um Versäumtes nachzuholen, ehestens in Angriff genommen werden, und zwar ist am dringendsten zunächst der Bau dort geeigneter seetüchtiger Boote. Es ist erfreulich, daß der KKL. ein am Meer gelegenes Terrain in der Haifa- Bay besitzt, sonst wäre das Raumproblem für Werftanlagen und später für Fischerhäfen kaum lösbar. Hier erwächst für manche Juden in der Diaspora, besonders für solche in Ländern seefahrender Völker, eine Aufgabe, die nicht unterschätzt werden darf. Die heute drückende Sorge der Berufsumschichtung und der Berufswahl bringt wohl wenige auf den Gedanken, sich dem Seemannsberuf zuzuwenden. Wäre dies auch der Fall, dann stünde man nicht immer vor großen Schwierigkeiten. Die Schiffahrt aller Länder ist stark nationalisiert und die aus Deutschland und aus dem Osten kommenden Juden haben kaum Aussicht, auf Werften und Schiffen praktische Kenntnisse zu erwerben. Nautische Lehranstalten zur Erwerbung theoretischer Ausbildung stehen in manchen Ländern zwar offen, ihre Absolvierung berechtigt aber Fremde nicht zum Fahren. Manche Lehranstalten setzen sogar praktischen Seemannsdienst voraus. Viel notwendiger als theoretisch geschulte Seeoffiziere brauchen wir in Palästina ein praktisch geübtes Seevolk. Die Vorbereitung, die junge Leute in Europa erlangen sollen, wäre auf Boots- und Schiffswerften zu finden, auf Fischer- und Frachtbooten. Sind auch die jüdischen Beziehungen zu diesen Berufszweigen recht armselige;, so werden einzelne Juden bei ernstem Willen, dennoch Möglichkeit finden, Chaluzim dem praktischen Bootbau, der Seefischerei und der Frachtfahrt zuzuführen. Je mehr seemännischer Vorkenntnisse und Fähigkeiten Chaluzim nach Palästina mitbringen werden, desto eher wird die Basis für den so notwendigen jüdischen Seemannstand geschaffen sein. Der jüdische Seemann ist nicht weniger als der jüdische Landwirt Voraussetzung für den jüdischen Charakter des Landes.