Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 4-5 (April 1934)
- Article
- Maritime Aufgaben
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
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tonnage arbeitslos daliegt, herrscht auch unter Seeleuten viel Arbeitslosigkeit, doch sind es merkwürdigerweise gerade die kleinen Frachtfahrer un4 Seefischer, mit nicht allzu großen Schiffen, die sich wegen der Geringfügigkeit von Investierungen und Unkosten eher behaupten als große Unternehmen. Herrschte auch lange Zeit eine Hochkonjunktur auf dem Frachtenmarkte und im Passagierverkehr, so kämen für unsere Zwecke große Unternehmungen zunächst nicht in Betracht, weil es uns an erfahrenem Schiffspersonal fehlen und überdies sich ein solches Unternehmen gegenüber erfahrenen, finanziell gut fundierten und meist auch subventionierten Reedereien nicht behaupten können würde. Für großen finanziellen Betätigungsdrang ist also unter heutigen Verhältnissen entschieden kein Raum da. Dagegen ist die Förderung des Baues seetüchtiger Boote, der Seefischerei und der kleinen Frachtfahrt schon heute vom nationalen und wirtschaftlichen Standpunkt eine gebieterische Notwendigkeit. Die Abendkurse für Nautik am Technikum in Haifa und die unternommenen praktischen Versuche beweisen, daß dieser Mangel empfunden wurde. Daß bisher Resultate ausgeblieben sind, wird durch Kenner der Verhältnisse mit Recht dem Mangel praktisch geübter Fachleute zugeschrieben. Menschen, die früher als Steuerleute auf großen Dampfern zur See gefahren sind (solcher gibt es einige in Palästina), können wohl theoretischen Unterricht in astronomischer Ortsbestimmung erteilen, aber praktische Bootsleute, Matrosen und Schiffszimmerleute werden aus solchen Kursen nicht hervorgehen und noch weniger darf erwartet werden, daß sich aus einem kleinen Kreis von Leuten mit Offiziers-Aspirationen der Kern eines Seemannsstandes bilden könnte. Schon die Fischerei zur See könnte heute einigen hundert Familien wirtschaftliche Existenz bieten. Hierbei denke ich nicht an die primitiven Fisehereimethoden der Araber und noch weniger an die gar nicht seetüchtigen Boote, die während der schlechten Jahreszeit ganz ruhen müssen. Angesichts der Tatsachen, daß: 1. Juden ebensowenig wie Araber seetüchtige Boote für Fischerei und Frachtfahrt besitzen und solche bisher nicht bauen konnten, 2. es bei uns außerdem an praktisch geübten Seeleuten fehlt, 3. im östlichen Mittelländischen Meer in bezug auf den Fischfang bisher fast keine Untersuchungen vorgenommen und mit Tief Seefischerei auch keine Erfahrungen gemacht wurden, muß erkannt werden, daß wir vor dem A n - fang stehen. Der in unserem Volke stark entwickelte kommerzielle Unternehmungssinn dürfte nicht zu verfrühten und zu großen Unternehmungen verleiten. Ebenso verfrüht ist der Nachdruck auf theoretisch-nautische Schulung, so lange es an Gelegenheit für praktische Betätigung fehlt. Unter heutigen Umständen wirtschaftlich und politisch notwendig, aber auch kaufmännisch gerechtfertigt ist der Bau kleiner, seetüchtiger Boote für Hochseefischerei, Hafenverkehr und kleine Frachtfahrt. Da der palästinensische Markt nicht groß ist und der Fischreichtum des östlichen Mittelländischen Meeres noch nicht feststeht, ergibt sich der für den Anfang nicht zu unterschätzende Vorteil, daß die Hochseefischerei mit Segel¬ oder Motorsegelbooten betrieben werden kann, deren Kosten samt Ausrüstung für Mittelstandsfamilien erschwinglich sind und ein Boot einer Familie, auch