Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- [Rezension] / f. m.
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 125 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BESPRECHUNGEN. 125 Palästf naberiebt eines Nichtjuden, von Kurt Stechert, mit 8 Bildtafeln und 1 Karte.E. Präger-Verlag, Leipzig und Wien 1933, S. 326. — Im Titel sollte stehein: „eines sozialistischen Nichtjuden", denn Stechert legt an alles den Maßstab des rejinen Marxismus^ in dessen naivster Gestalt an. Die Religion ist iihm nur eine reaktionäre bourgeoise Angelegenheit, das „Judentum" (das den Sabbat und die Geidankieh der sozialen Gerechtigkeit in die Welt gebracht hat)ö „kein fortschrittlicher Faktor", eäne Synagoge in einem Kiniderdorf (Kfar Jeladim) ein Dorn im Auge. Er informiert sich sehr ungenau, wo es sich darum handelt, gegen den „reaktionären Bourgeois" zu wettern, z. B. schreibt er, daß Lord MeleheÜt sen. gegen die Kwuzoth auftrat, wobei1 die längst vergessene: und überwundene Episode der Einwände der Nichtzionisten gegen die Kwuzoth bei Gründung der Jewish Agency irrtümlich perpetuiert wird. Palästina ist Stochert nur ein Glied in dem Kampf des Sozialismus, er hat nichts übrig für die „Romantik des Gefühlszionismus" und ragt sich darüber auf, daß er in Kwuzoth nebeen deutBiJd von Marx jenes von — man höre und staune — Theodor Herzl gefunden hat! All das muß man nicht zu tragisch nehmen; es ist ja schwer, daß ein Nichtjude mit beneidenswert fertiger Weltanschauung ein volles Verständnis für die Besonderheit des jüdischen Nationalismus gewinne. ,,Der Zionismus ist nur marxistisch zu verstehen", meint Stechert, und wir wollen ihn bei diesem Glauben lassen. Wertvoll sind an dem Buche die eingehenden Schilderungen des Lebens in den Kwuzoth und den Moschawim. Der Verfasser, der e|in lebendiger, sympathischer, frischer Mensch zu sein scheint, beobachtet sehr gut, und seine Urteile in dieser Materie sind besonders wertvoll, weil hier ein geschulter Sozialist über sogenannt sozialistische Versuche urteilt. Stechert sagt ganz richtig, daß die Kwuzoth in ihrer heutigen Form iucjht Sozialismus darstellen. Besonjders sei die Gemeinsamkeit der Konsumgüter nichts!, was der Sozialismus fordert. Der Autor scheint die Moschawim dem sozialistischen Ideal mehr angenähert zu finden, als die Kwuzoth, besonders, wenn sie Viehzucht wind Ackerbau gemeinsam betrieben würden. Schließlich' werde sich aus Moschaw und Kwuzoth „ein höheres Drittes" formen. Besonders eingehend beschäftigt sich der Autor mit Ehe und! Kindererziehung in den Arbeitersiedlungen, die er mit der ihm eigenen Unmittelbarkeit und Frische schildert, natürlich stets vom sozialistischen Gesichtspunkt aus. Sein Stil ist sehr lebendig, oft plastisch, manchmal aber gesucht originell, so daß Sätze wie: „Es krachen die Götter", „Wieder sprang die Sonne aus der Nacht heraus", „In sich verkrochen liegt Palästina" usw. unangenehm auffallen. Das Buch des Sozialisten wird bei der jüdischen Jugend eifrige Leser finden, denn Stechert ist der Zionismus nur einer der Wege zutox Sozialismus. Es ist aber sehr unklar, wie sichl der Autor diesen Weg eigentlich vorstellt. Die erhöhte Einwanderung von jüdischem Kapital^ sagt er am Schluß, wird eine Stärkung der kapitalistischen Klassenkräfte in Palästina bedeuten, upd den Kampf der Arbeiter erschweren. Es sei ^nicht ausgeschlossen", daß die jüdischen Kapitalisten mit England verbunden über die Araber herrschen wer-denj wo dann die jüdischen Arbeiter, bei denejn dadurch] „die Reste nationaler Ideologie" zerstört werden würden, mit den arabischen Arbeitern gegen diese Herrschaft kämpfen würden! Schade, daß ein so begabter, warmfühlender Mensch sich derart von Dok-