Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Die Verbesserung der Viehzucht
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 87 (sequence 2)
- Language
- German
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Durchschnittstiere. Es ist falsch, von vorneherein mit höheren Leistungstieren die in gewissem Sinne notwendig überzüchtet sein müssen, anfangen; zu wollen. Zu warnen ist aber auch vor weichen Rassen und nicht ganz konstitutionsstarken Tieren, selbst wenn Zeichen der Ueberzüchtüng noch kaum zu bemerken sein sollten. Strengste Auslebe vor der Verschickung ist hier dringend notwendig, da Tiere mit den geringsten Rückbildungserscheinungem sich nur schwer oder nur nach schweren Rückschlägen in die neuen Verhältnisse eingewöhnen können. Wenn man diese jedem erfahrenen Viehexporteur geläufigen Regeln vergleicht, mit der Art, wie fn Palästina 'die Versuche mit der schwarz-weißen» Niederungsrasse gemacht worden sind, wird man auch den Grund finden, der zu den Rückschlägen geführt hat und der die Divergenz im Verhalten zwischen männlichen und weiblichen Tieren aufklärt. Von alten Siedlern und anderen palästinensischen Fachleuten wurde mir erzählt, daß sie für importierte Holländer-Kühe 80, 90 und 100 Pfund und für Bullen 100 bis 150 Pfund gezahlt haben. Dies in einer Zeit, in der das Pfund im Auslande annähernd ein Drittel mehr Wieört hatte, als heute. Zieht man; hierbei die recht hohen Transportkosten ab, dann bleiben für den Ankauf einea Bullen im Exportland ungefähr rund 50 bis 60 Pfund übrig. Bullen werden nun in der Regel mit einem und l1/^ Jahren Alter verkauft und kosteten damals, wenn sie hervorragende Leistungsabstammungen hatten, in guten Zudhtgebieten bis zu 8000 und 10.000 RM und darüber, das heißt also 400 bis 500 Pfund. Die Folge davon war, daß man nur einen gewöhnlichen Durohsehnittsbullen kaufen konnte, der sieh auch gut akklimatisierte. Anders lag es bei den Kühen. Für 50 bis 60 Pfund konnte man damals die besten und ertragreichsten Milchtiere kaufen. Da den Siedlern vor allen Dinger^ an eine schnelle Nutzung der Tiere gelegen War, wurden entweder sehr hochtragende Fersen, npeh mehr aber hochtragende Kühe mit dem zweiten und: dritten Kalbe gekauft. Kamen nun solche Tiere in die fremde Umgebung, dann hatten sie zunächst, kaum daß sie da waren, den schweren Geburtsakt zu erledigen. Dann mußten sie Milch produzieren, wozu ebenfalls ein großer Teil ihrer Kraft gebraucht wurde. Die Folge davon war, daß, wenn die Tiere jung waren, sie herunterkamen und degenerierten, weil ihnen für die Eingewöhnung in die fremde Umgebung nicht mehr genügend Kraft zur Verfügung stand, während die älteren Tiere elend eingingen. Aber auch die Nachzucht mußte degenerieren, da die Muttertiere in ihrem geschwächten Zustand nicht mehr die Möglichkeit hatten, gesunde kräftige Kälber zur Welt zu bringen Hierzu kam noch, daß man für die Transporte Tiere aus Holland und Ostfriesland gewählt hatte, die an feuchtes Seeklima gewöhnt, nun schwer unter dem trockenen, heißen Kontinentalklima Palästinas litten. Man hätte schon damals Tiere auswählen müssen, die die Umstellung vom Seeauf Kontinentalklima hinter sich hatten. Bullen, die jung waren und in der Mittellinie der Rasse lagen, konnten sich1 sehr gut auf die veränderten Lebensbedingungen und auf das trockene Kon-» tinentalklima umstellen. Sie bewiesen dadurch und in der Nachzucht mit Kühen, die den oben genannten Einflüssen nicht unterlagen, daß die Wahl der Rasse an sich richtig war. Durch die zu erwartende landwirtschaftliche Massenansiedlung deutscher Juden in den nächsten Jahren, ist nun eine nie wiederkehrende, ein-