Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1934-02-01 · Heft 2-3 (Februar 1934) · p. Seite 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 2-3 (Februar 1934)
Article
Zum jüdisch-arabischen Problem
Date
1934-02-01
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379916-2379919-2400138--17041-2400361
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vorläufig gilt für den Zionismus jedenfalls der Satz: Innenpolitik geht vor Außenpolitik. Um aus der politischen Enge herauszukommen, müssen wir unseren Aufbau schneller, und was vielleicht noch wesentlicher ist, planmäßiger weiterführen. Zwar ist unsere Einwanderung und Ansiedlung in Palästina durch die oben gezeigte britische Haltung und durch die äußeren politischen Verhältnisse sehr beengt, aber auch in diesem Rahmen haben wir bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgenutzt. Jedenfalls war es bis Üieute so, daß unsere größten Niederlagen und Rückschläge im Aufbau Erez Jisraels von der innenzionistischen Unzulänglichkeit heirührten. Im Jahre 1925 kamen fast 40.000 Juden ins Land, und wenn «ein Jahr darauf sich die Einwanderung in eine Auswanderung verwaridelte, so waren daran weder die Engländer, noch die Araber schuld, sondern hauptsächlich die berufsmäßige und geistige Unvorbereitetheit dieser Alijah. Die Tatsache, daß die damaligen polnischen Olim in ihrer Mehrheit weder umschichten noch zur Landwirtschaft hinübergehen wollten, sich dafür aber in überreichlichem Maße der Grundstücks- und Häuserspekulation hingaben, mußte unweigerlich zu der Krise von 1926 und allem, was damit verbunden war, führen. Auch heute können wir als folge des Aufschwunges von 1933 zu einer Krise gelangen, deren Ursachen in viel größerem Ausmaße in dem nicht-chaluzisohen Charakter der Alija und in unserer Unfähigkeit, nationale Kapitalien zu akkumulieren, die diese Alija in die Grundschichten der palästinensischen Wirtschaft bringen können^ liegen, als in der palästinensischen Regierungspolitik. Die 40.000 Juden, die 1933 ms Land kamen», können, wenn sie zur Landwirtschaft, zum „Kibbusch Awoda" in die Kolonien und zur schweren körperlichen Arbeit gehen;, ein Aufnahmereservoir für weitere Zehntausende sein; wenn sie sich aber in Tel-Aviv ansammeln,, und sich der Spekulation und verschiedenen Konjunktur berufen hin« gebenj, werden sie ein Hindernis für <lie kommenden Olim und eine Einleitung für eine neue Krise sein. Auch in Zeiten, die nicht mit großen Entscheidungen gesegnet sind, müssen wir für alle jüdisch-englischen und jüdisch-arabischen Berührungspunkte genügend Achtsamkeit besitzen. Selbstverständlich ist jede klug geführte Verhandlung über den Anteil jüdischer Arbeiter an den Staatsunternehmungen> und jede taktvolle Reaktion auf einen Artikel in einer arabischen Zeitung von» großer Wichtigkeit. Trotz dem Bewußtsein;, daß wir auf außenpolitischem Gebiet vorläufig zu keinem grundlegenden Ergebnis kommen können!, werden wir in dieser Richtung weiter arbeiten. Auch die kleinste Errungenschaft auf dem Gebiete einer jüdisch-arabischen Freundsdhaüt ist nicht zu klein, um von uns Energie beanspruchen zu dürfen. Das wichtigste Gebot in dieser Stunde für den Zionismus, auch außenpolitisch gesehen, ist aber — auf Grund der gegebenen politischen Möglichkeiten^ eine planmäßige nationale Einwanderung, und Ansiedlung durchzuführen. Wenn wir inner zionistisch dazu fähig sindj, werden wir in einigen wenigen Jahren als Ergebnis dieser Arbeit außenpolitisch ganz anders dastehen. Die Erkenntnis der Beschränktheit unserer politischen Freizügigkeit heute und das Bewußtsein der großen politischen Potenzen;, die in der Verwirklichung des Palästina-Aufbaues liegen!, sollen der Leitfaden unserer zionistischen Politik sein. Die Zeit arbeitet für uns:, wir wollen mit ihr Geduld haben!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.