Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Zum jüdisch-arabischen Problem
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
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zu schätzen ist, daß es sich auf die Vorteile anderer tatsächlicher oder potentieller Bündnisse, die im Widerspruch zu einer arabisch-jüdischen Verbindung stehen, zu verzichten lohnt. 3. Von uns, von zionistischer Seite, muß die arabische Unabhängigkeits*- bewegung bereits als ein starker politischer Machtkomplex angesehen werden, dessen Hilfe uns solche Errungenschaften für die Alija und Ansiedlung in Palästina bringen kann, daß die Nachteile, die wir als Folgen dieses Bündnisses zweifellos von Seiten der englischen Verwaltung erfahren, aufgewogen werden. Leider müssen wir feststellen, daß heute keine von diesen drei Voraussetzung gen erfüllt ist. Weder der palästinensische Istaklal, noch seine Bundesgenossen im Irak und Syrien sind bereit, die jüdischen Ansprüche in und auf Palästina anzuerkennen. Die verschiedenen jüdischen Vorschläge auf eine jüdisch-arabische Verständigung, die weitgehend den arabisch-nationalen Bestrebungen Rechnung trugen (besonders die Vorschläge der jüdischen Arbeiterpartei Erez-Jisrael und die von David Ben Gurion), haben eine ablehnende Antwort aller arabischen Führer erhalten. Bis jetzt haben die arabischen Nationalisten jede Verstärkung der jüdischen Alija mit der Bereitschaft beantwortet, sie durch blutige Angriffe zu unterbrechen. (Daß sie tatsächlich ausbrachen, hing meistens von einem dritten Faktor ab.) Bei der heutigen sozialen Schichtung der führendein arabischen Kreise ist es kaum anzunehmen, daß sie sich mit unserer Konzeption einer jüdisch-arabischen Staatenbildung abfinden werden, bevor der jüdische Jischuw in Palästina zu einer mächtigen politischen Tatsache geworden ist; bevor sie mit ihm, als mit einem unabänderlichen politischen Faktor rechnen müssen. Vielleicht ist diese Stunde nicht mehr so fem, aber vorläufig sind wir noch nicht so weit. Die politische Dialektik lehrt uns verstehen, daß gerade die letzte Periode vor dem Sich-Abfinden mit der jüdischen Realität in Palästina, durch eine verschärfte Anspannung aller Feindseligkeiten gegen uns gekennzeichnet sein wird. Erst wenn die Hoffnungslosigkeit eines Nichteinbeziehens des jüdischen Faktors in die arabische JJnab-> hängigkeitspolitik den arabischen Führern klar sein wird, werden sie zu einer Verständigung mit uns bereit sein. Als real denkende Menschen können wir nicht behaupten, daß die arabischen Führer schon heute so weit sind. Auch die zweitgenannte Voraussetzung existiert vorläufig nicht. Der palästinensische Jischuw ist noch zu klein, die finanziellen Und organisatorischen Kräfte der zionistischen Bewegung zu gering, um die ausschlaggebenden arabischen Kreise zu einer zionistischen Orientierung zu führen. Diese zionistische Orientierung bringt, in der ersten Zeit jedenfalls, einen Verzicht auf manche* sehr greifbare Dienste mit sich, die England dem arabischen Nationalismus erweisen konnte. Dem praktisch denkenden arabischen Nationalisten ist es klar, daß England den weiteren Weg für die teilweise Emanzipierung der arabischen Länder verschütten kann, wenn sie es will. Niemand im Orient vergißt, daß an der Grenze des „unabhängigen" Irak der Wahabiteri-König auf die erste Erlaubnis lauert, seinen Nachbar zu überfallen, und alle palästinensischen Effendis wissen nur zu gut, daß sie ihre einträglichen Beamtenposten eines Tages verlieren können, wenn es England gefällt. Gegen beides gibt es vorläufig keine brauchbare politische Abwehr. Auch die Verständigung mit dem Zionismus ist es heute nicht.