Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 2-3 (Februar 1934)
- Article
- Zum jüdisch-arabischen Problem
- Date
- 1934-02-01
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum jüdisch-arabischen Problem. Von £. Liebenstein, Ein Charod. Vorbem. d. Red.: Wir bringen diesen Artikel aus dem Sammelbuch des „Hechaluz" gleichen Titels, entgegen unserer Gepflogenheit, über politische Fragen nur Uebersichten zu geben, weil er einen Standpunkt zum Ausdruck bringt, der weit weniger bekannt ist, als jener der verschiedenen zionistisch-politischen Richtungen, aber von weiten Kreisen geteilt wird. Mit dieser Publikation gedenken wir nicht, in den Spalten unserer Zeitschrift eine politische Diskussion zu eröffnen. Der Verfasser gehört der Arbeiterpartei an. Die politische Enge. Der Zionismus ist eine politische Bewegung. Sein Zustandekommen ist zwar eine Folge von innerjüdischen Kräften, aber das Ausmaß und das Tempo seiner Verwirklichung ist nicht nur von unserer inneren Entscheidung abhängig. Da einerseits das jüdische Volk in der Diaspora in einem raschen Zerstörungsprozeß begriffen ist und Palästina andererseits in zunehmender Weisö zu einem Expansionsfeld auch nichtjüdischer Kräfte wird — so ist die Frage des Tempos und des Ausmaßesder Verwirklichung des Zionismus ein entscheidendes Problem. Oder mit anderen Worten: Die außenpolitische Stellung der zionistischen Bewegung, das Maß von Zustimmung oder Ablehnung der uns kreuzenden Kräfte ist für das Schicksal des Zionismus von ungeheurer Wichtigkeit. Eigentlich, von einem aktuellen politischen Standpunkt, von dem Standpunkt der nächsten 10 bis 15 Jahre, — und das sind entscheidende Jahre für die Sicherung eines jüdischen Palästina, — könnte die Lösung des jüdisch -englischem Problems genügen. Hätte die englische Politik Interesse an der Bildung eines überwiegend jüdischen Palästina oder würde sie wenigstens neutral zu der Kon^ntrierung großer jüdischer Masisen in Palästina stehen, dann wäre damit das aktuelle politische Problem dea Zionismus gelöst. Bei einer Einwanderungspolitik des Mandatars, die die Ein* Wanderung nur durch die ökonomischen Aufnahmemöglichkeiten des Landes beschränkt, bei einer Agrarpolitik, die den Einwanderern den Erwerb der wüsten, versumpften und unbebauten Strecken erleichtert, bei einer fiskalischen Verwaltung, die die von den Juden gebrachten Ueberschüsse des Budgets für jüdische Aufbauzwecke zur Verfügung stellt, könnte der Jischuw heute um viele Zehntausende größer sein und dementsprechend auch die Wirkung des Zionismus auf die Juden. Eine der wesentlichsten Schwierigkeiten unserer Kolonisation ist — wiei bekannt sein dürfte — der Mangel an Kolonisationsfinanzen. Diese Schwierigkeit könnte durch eine englische oder durch eine von England inspirierte Garantie weitgehendst gelöst werden. Es kann leider kein Zweifel bestehen, daß die „vorsichtige" Haltung der britischen Regierung gegenüber einer internationalen zionistischen Aufbau-Anleihe keine rein ökonomischen Gründe hat. Die in England aufgenommenen palästinensischen Regierungsanleihen wurden durch jüdische Steuergelder gedeckt, und es würde bei gutem Willen nicht