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Palästina · 1934-01-01 · Heft 1 (Januar 1934) · p. Seite 15

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Journal
Palästina
Volume
17 (1934)
Issue
Heft 1 (Januar 1934)
Article
Prinzipielles über die Stellung der Psychologie an der Universität Jerusalem
Date
1934-01-01
Page
Seite 15 (sequence 2)
Language
German
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Sprache, Tradition, Wirtschaftslage, bestimmen unser Handeln weit mehr als das, was eine generelle anthropologische Psychologie oder eine messende Psychotechnik als allgemeine seelische Funktionsweisen aufzuzeigen vermögen. Wir erfassen viel mehr vom Menschen, wenn wir ihn in den Verstrickungen seines Handelns verfolgen, als wenn wir ihn losgelöst vom Alltag in der dünnen Luft des Laboratoriums agieren lassen. Die wissenschaftliche Psychologie empfängt heute mehr von ihren Anwendungen, als sie ihnen gibt. Aber man könnte vielleicht fragen, ob denn überhaupt harte Zeiten, wie die unsere, so viel an Psychologie bedürfen. Kommen wir nicht weiter mit einem Schema, mit Disziplin, mit Faustregeln der Massenbehandlung, als mit einfühlendem Verständnis, mit Individualisierung, mit Psychologie im eigentlichen Sinne des Wortes? Jeder Kenner des Lebens wird diese Frage verneinen. Bloße Disziplin, ohne daß die Anforderungen psychologisch unterbaut waren, hat noch immer zur Revolte geführt. Freud spricht in der Massenpsychologie einmal davon, daß der militärische Zusammenbruch zu einem großen Teil durch die Lieblosigkeit bedingt war. Der Einzelne fand in dem Vorgesetzten nicht den Führer, an den sich sein Liebesbedürfnis anschließen konnte. Es hat sich noch, immer herausgestellt, daß wir das Leben um so mehr führen, leiten, bezwingen können, je weniger wir es durch rohe Schemate vergewaltigen, je mehr wir umgekehrt in die Fülle und Mannigfaltigkeit seiner Formen eindringend, es verstehen.*) Und gerade diese Lage macht die Psychologie beute so unentbehrlich für eine junge, aufstrebende Universität, für eine Universität, die dem Leben, der Entwicklung wirklich voranleuchten soll. Aber die einzelnen Zweige der angewandten Psychologie (die pädagogische Psychologie, die Wirtschaftspsyahologie, die Psydhotechnik, die Psychologie der Propaganda, des Films, des Rundfunks, der Verkehrswerbung, die gerichtliche Psychologie, die heilpädagogische Psychologie und noch vieles andere), so sehr auch die Situationen, aus denen sie hervorgewachsen, scheinbar beziehungslos nebeneinanderstehen — alle diese Wissenschaften sind im Hinblick auf die Erfassung menschlichen Verhaltens doch aufeinander angewiesen. Es ist nicht möglich, auf einem Sondergebiet alle wichtigen Gesichtspunkte herauszuarbeiten. Denn jeder einzelnen dieser Richtungen steht nur ein. besonderes Stoffgebiet zur Verfügung, während doch wiederum in allea — darin hatte der Ansatz der älteren generellen Psychologie recht — der Mensch als lebendiges Ganzes, als Persönlichkeit, als Unitas multiplex (William Stern) das eigentliche Problem bildet. So hat auch Hugo Münsterberg, Harward, einer der Begründer der modernen angewandten Psychologie, von vornherein alle Anwendungsgebiete herangezogen und dargestellt. Dies muß auch in der Organisation der Forschung, der Lehre und der Ausbildung an der Universität zugrunde gelegt werden. Räumt man provisorisch, *) „Bei den führenden Völkern der Weltwirtschaft hat sich das Bedürfnis nach psychologischer Schulung zu einem äußerst praktischen entwickelt. Wollten ihre Lehranstalten sich dem versagen, so hieße das, dem Dilettantismus und gewerbsmäßigen Seelenfange das Feld räumen" (Felix Krueger: Die Aufgabe der Psychologie an den deutschen Hochschulen. Bericht über den XII. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Psychologie, Jena 1932.)

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