Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 17 (1934)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1934)
- Article
- Das Bauen in Palästina
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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bekannt war, zu wiederholen, obwohl es unter den kühneren Geistern auch Bestrebungen gab, noch ungeformte und undeutliche Ideale in Ziegel und Mörtel auszudrücken. Das Resultat war ein ungünstiges. Es entstand ein Chaos von Bauten verschiedener Stilarten, oder in vielen Fällen überhaupt kein Stil. Es würde vielleicht ungerecht gewesen sein, mehr zu erwarten, denn die Einwanderer hatten wenig oder gar nichts zu den architektonischen Traditionen des Landes^ von dem sie kamen, beigetragen, und waren außerdem unerfahren in der Formgebung des Heimideals durch die Architektur. In den letzten Jahren hat jedoch der Baustil eine wesentliche Aenderung zum Besseren erfahren, und obwohl es zu verfrüht ist, von einer palästinensischen Architektur zu sprechen, ist es klar ersichtlich, daß der jetzt Bauende sich von den Fesseln einer fremden Tradition befreit. Die modernen Tendenzen, die sich in Mitteleuropa zeigen, sprechen den palästinensischen Architekten an und beeinflussen wesentlich die Wahl seines Stils. Eine Pionierbevölkerung hat nicht, wie eine mehr beschaulich lebende Generation, Zeit für architektonische Feinheiten oder für übermäßige Verzierungen. Ein Rationalismus, manchmal zugestandenermaßen nüchtern, zeigt sich in den Plänlen, und in der architektonischen Durchführung wird jedes überladene Ornament vermieden. Die Effekte werden hauptsächlich durch das Verhältnis von Masse, Raum und Farbe erzielt. Bei Experimenten in der Kirnst gab es zu allen Zeiten die Gefahr des Ungereiftseins und einige Farbenzusammenstellungen lassen viel zu wünschen übrig. Der Gesamteffekt ist häufig zu materialistisch und manchmal fehlt der Zusammenhang. Das ist bedauerlich, wenn man daran denkt, daiß in der Architektur mehr als in irgend einem anderen Zweig der Kunst eine gewisse Fülle und Großzügigkeit merkbar sein sollte. Nichtsdestoweniger wurden in letzter Zeit eine Anzahl von Bauten von hohem architektonischen Wert errichtet, die einer jungen, kräftigen Bevölkerung entsprechend, zweckbewußt klar und doch gefällig sind. Bauen als Kapitalsanlage. Unter den hauptsächlichsten Kapitalsanlagen in Palästina nimmt die Bautätigkeit einen hohen Raum ein. In den letzten acht Jahren wurden fast 121/2 Millionen Pfund für Bauten in den sechs wichtigsten Städten aufgewendet. In der Liste der Städte füjhrt Jerusalem mit einer Investition von: 6>,685.000 pal. Pfund, darauf folgt Tel-Aviv mit 2,829.000 pal. Pfund und Haifa mit 1,071.000 pal. Pfund, Jaffa, Nablus und Tiberias wendeten 654.000, 238.000 und 170.000 pal. Pfund auf. Die aufstrebende Tendenz der Bautätigkeit in diesen Städten in den letzten Jahren geht aus folgenden Ziffelrn hervor: wenn die Zahlen von 1928 mit 100 angenommen werden, so sind die von 1929 250, 1930 35,3 und 1931 348. Seit 1932 zeigt die, Bautätigkeit sogar noch einen schärferen Anstieg. Der Gesamtaufwand in diesem Jahre war 2,945.708 pal. Pfund, von welchen 1,500.000 pal. Pfund jüdisches Kapital war, beinahe 45 o/o aller jüdischen Investitionen des Jahres 1932. Abgesehen von den großen Aufwendungen für öffentliche Bauten, wohltätige Zwecke oder Institute (dies hauptsächlich in Jerusalem) und den beträchtlichen für Fabriken, war ihr überwiegender Teil Wohnzwecken gewidmet. Die derzeit vorherrschenden hohen Mieten regen das spekulative Bauen an und besonders in den letzten zwei Jahren mit ihrer steigenden Einwanderung sind Kapitalsanlagen in Wohnhäusern sehr gebräuchlich geworden. In vielen Fällen sind die Mieten seit 1931 um 100 o/o gestiegen, z. B. in Tel-Aviv von