Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1933-12-01 · Heft 12 (Dezember 1933) · p. Seite 422

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
16 (1933)
Issue
Heft 12 (Dezember 1933)
Article
Die Genossenschaftsbewegung und die Fellachenwirtschaft
Date
1933-12-01
Page
Seite 422 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379908-2379915-2399365--16469-2399629
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

422 Die Genossenschaftsbewegung und die Fellachenwirtschaft. Von David Horowitz, Tel-Aviv. Die Erklärungen der Herren Strickland und Lowick,, des von der Regierung neuernannten Registrators für Genossenschaften (siehe Nr. 5/6i, S. 185 dieser Zeitschrift) haben das Problem der Gründung von Genossenschaften unter arabischen Fellachen auf die Tagesordnung gestellt und im Laufe der Zeit wird wahrscheinlich die Genossenschaftsbewegung, die jetzt unter den Fellachen organisiert wird, zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Faktoren im Lande werden. Das Problem der Genossensehaftsbewegung unter den arabischen Fellachen erfordert eine Analyse von zwei grundsätzlichen Gesichtspunkten aus. a) des Wertes dieser Bewegung an sich und der Aufgabe, die sie gegenüber der arabischen Bevölkerung zu erfüllen hätte b) ihres Einflusses auf die Wirtschaft des Landes im allgemeinen und auf den jüdischen Sektor insbesondere. Die Agrarfrage im Lande, wie in allen Ländern des Orients, hat ihre eigenen spezifischen Merkmale und eines von ihnen ist die entscheidemde Bedeutung der Verschuldung in ihrem Einfluß auf die Lage der Fellachen. In einer Schätzung, die wir vor einem Jahre veröffentlicht haben (siehe „Palästina" 1932, Seite 352) verteilt sich das Gesamteinkommen der Fellachenklasse im Lande in folgender Weise unter die verschiedenen Faktoren: Pachtzins pal. Pfund 162.000 7,6 o/0 Zinsen „ „ 600.000 28 o/0 Steuern „ „ 291.000 13,7 o/0 Danach ergibt sich, daß die Hälfte des Einkommens der Fellachenklasse im Lande zur Zahlung der Zinsen an Wucherer, als Pachtzins an die Großgrundbesitzer und als Steuern an die Regierung gezahlt wird. Unter diesen drei Teilen ist jener, der auf die Wucherer und Geldverleiher, von denen die Mehrzahl der Effendiklasse angehört, fällt, der Größe nach der bedeutendste und übersteigt die Summen, die als Pachtzins und Steuern gezahlt werden, zusammengenommen. In dieser Hinsicht ist der Unterschied zwischen den palästinensischen Fellachen und den Bauern der hochentwickelten kapitalistischen Länder der Welt ganz bedeutend. Gemäß der Berechnung des amerikanischen Nationalökonomen Maurice Leven*) stellt sich die Summe, die von amerikanischen Farmern im Laufe eines Jahres als Zinsen gezahlt wird, auf das Dreifache der von ihnen gezahlten Steuern. Wenn wir diese Schätzungen mit den Zahlen vergleichen, die die Verteilung des Einkommens der Fellachenklasse angeben, werden wir uns überzeugen, daß in unserem Lande die Summe, die als Zinsen gezahlt wird, nur das Zweifache der Steuern beträgt. Dieser Umstand kann jedoch keineswegs als Beweis dienen, daß die Schuldenlast der palästinensischen Fellachen nicht so schwer ist, wie die der amerikanischen Farmer. Schon der hohe Zinsfuß von 30 o/o und mehr pro Jahr beweist, daß eine solche Annahme von Grund aus falsch wäre. Auch die Gesamtsumme der Fellachenschulden, die sich gemäß *) Income in thje various states. Maurice Leven.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.