Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1933)
- Article
- Die arabische Bewegung in Palästina im Jahr 1933
- Date
- 1933-12-01
- Page
- Seite 412 (sequence 2)
- Language
- German
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Der politische Kampf der Araber in Palästina war bis nun nicht ständig, alltäglich, sondern saisonmäßig und hatte die Form von Ausbrüchen, <lie rasch zusammenfielen. Am Beginne der britischen Herrschaft gab es kurze Intervalle. 1921, 1922. Später wurden sie länger. 1923, 1929. Dieses Zyklische erklärt sich dadurch, daß die breite arabische Masse wirklich gar nicht betroffen ist und in einem bedeutenden Teil sogar von dem, Was im Lande infolge der zionistischen Bewegung entsteht, Vorteil hat. Das arabische Einzelindividuum in dem Maße, als es sich in der Nable des jüdischen Aufbaues befindet, verdient in vielfachen Formen. Als Schiffer beim Hafen, als Hausbesitzer, als Gemüse, Früchte, Eier, Milch: u. dgl. verkaufender Fellach, als Bodenbesitzer, als Arbeiter u. dgl. mehr, all dies direkt, und indirekt genießt jeder Araber im Lande vom Regierungssäckel, der sich mit Millionen von Pfunden durch die jüdischen Einwanderer und durch den allgemeinen Verkehr im Lande, der durch sie verursacht wird, füllt. Die Oscher-Steuer in der Landwirtschaft^ welche durch Jahrhunderte das Unglück der Fellachen war, wurde faktisch durch den Verzicht der Regierung aufgehoben, der es ihre Finanzen gestatteten, mit den Jahren der Mißernte zu rechnen; das Schulnetz, das immer weiter wird, die Regierungsabteilungen für Sanität und Landwirtschaft, entwickeln ihre Tätigkeit zum Wohle der arabischen Kolonisation; es werden Häuser und Wege gebaut, die den verarmten Fellachen auf der einen Seite Arbeit gewähren und andererseits den Verkehr im Lande entwickeln; die hohe Beamtenschaft der Regierung ernährt tausende arabische Familien, der Strom des jüdischen Kapitals belebt den ganzen Handel im Lande usw. Und es gibt keinen besseren Beweis für die wirtschaftliche Lage des Landes, alsi das Einströmen von Einwanderern aus Syrien, Transjordanien, Hedschas und Aegypten. Denn sogar die elende Lage des Fellachen im Lande, die die Folge des niedrigen Niveaus der landwirtschaftlichen Ordnung im Lande ist, ist unvergleichlich besser als die Lage der Fellachen in den umgebenden Ländern. Und was die Regierung betrifft, so wird dies nicht als eine Verteidigung der Engländer angesehen werden, wenn wir sagen, daß das englische Regime in keinem Vergleich steht mit dem faulen türkischen vor dem Kriege. Hinzukommt das System der jüdischen Wirtschaft im Lande, welches in gar keiner Weise dem des Golus gleicht. Dieses System hat gewiß in politischer Hinsicht wichtige Mängel, man darf jedoch nicht, wenn man eine politisch-seelische Bilanz macht, ihre positiven Seiten vergessen: Dieses System ist nicht begründet auf der Konkurrenz mit den Arabern als Individuen und als ganzen Ständen. Der Jude dringt nicht bei den Arabern ein und öffnet beispielsweise nicht ein Geschäft neben dem des Arabers, oder eine Fabrik neben der arabischen. Nein! Die Juden bauen im Lande, Stadtviertel, Kolonien und Städte für sich und entwickeln dort Märkte und besonders Handelszentren. Die ganze jüdische Industrie im Lande ist ja beinahe neu und war bisher im Lande unbekajnnt. Der jüdische Arbeiter wendet sich nicht an den arabischen Markt, sondern umgekehrt: der arabische Arbeiter konkurriert mit dem jüdischen Arbeiter auf dem jüdischen Markt. Darum ist es kein Wunder, daß der Araber im besonderen und die breite arabische Gesellschaft im allgemeinen keine Kraft besitzen, die sie zu Erhebungen gegen den Zustand im Lande mit Rücksicht auf ihre wirklichen alltäglichen Lebensbedingungen drängen würde. Und daher erklärt sich die Erscheinung des Zyklischen in den arabischen Ausbrüchen. Die politischen Führer müssen andauernd Hetzpropaganda betreiben, müssen Lügen verbreiten