Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Stand und Aussichten der palästinensischen Chemikalienwirtschaft
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 339 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2379786-2379908-2379914-2398927--16146-2399170- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Stand und Aussichten der palästinensischen 339 Chemikalienwirtschaft. Von Dr. Alfred Marcus, Haifa. Es liegt auf der Hand, daß die fortschreitende Industrialisierung Palästinaa nicht denkbar ist ohne die Entwicklung bestimmter chemiewirtschafüicher Handels- und Industriezweige. Bisher war der Chemikalienverbrauch des Landes begreiflicherweise gering. Industrien, die hiefür in Frage kamen, waren nur in geringem Umfange vorhanden. Soweit ein Bedarf festzustellen war, wurde er fast ausschließlich durch Import gedeckt. Dieser erstreckte sich im wesentlichexi auf Anstrichfarben, etwas Kunstdünger, Pharmazeutica, Kosmetica. Die Entwicklung einer chemischen Industrie auf der Grundlage eigener Rohstoffe ist aber im Laufe der letzten Jahire mit Aussicht auf Erfolg in Angriff genommen worden. An solchen Rohstoffen sind zu nennen: 1. Die im Toten Meer gelöst enthaltenen Salze. 2. Asphalt und bituminöser Kalkstein. 3. Erdgas und Petroleum. 4. Die Schwefelerze von Ghaza. 5. Die Phosphatvorkommen von Bethlehem. 6. Die Gipsvorkommen von Melchamija. 7. Die Manganerzvorkommen bei Akaba. 8. Die Kupfererzvorkommen von Akaba. Neben diesen acht wesentlichen Rohstoffvorkommen, die teilweise dem Aufbau einer chemischen Industrie bereits dienen, teilweise ihm noch dienen können, sind noch als Ausgangsmaterialien für chemische Erzeugnisse zu nennen: 9. Die Inlandsgewinnung an Olivenöl, Sesamöl und sonstigen pflanzlichen Oelen. 10. Die Gewinnung an pflanzlichen Säuren, insbesondere Zitronen- und Weinsäure. Der Ueberblick zeigt, daß Palästina jedenfalls in bezug auf Ausgangsmaterialien für die Entwicklung einer eigenen chemischen Industrie nicht schlecht gestellt ist. Freilich ist diese Feststellulng zunächst noch in vielen Punkten mehr theoretischer Natur. In der Praxis hat sich bisher die Ausnutzung einiger Rohstoffgruppen noch nicht als möglich erwiesen. Das muß aber nicht in allen Fällen so bleiben, worüber weiter unten noch gesprochen werden wird. Eine große Rohstoffgruppe, die für den Aufbau der europäischen und amerikanischen chemischen Industrie von ganz entscheidender Bedeutung geworden ist, fehlt allerdings völlig, das ist die Steinkohle und die Braunkohle mit der Teergewinnung hieraus und den sich hierauf aufbauenden überaus bedeutungsvollen Zweigen der organischen Chemie. Abbauwürdige Kohlevorkommen gibt es im Lande nicht. So lange Palästina und Syrien als einheitliches Wirtschaftsgebiet betrachtet werden konnten, hat man öfters Hinweise darauf lesen können,