Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1933)
- Article
- Zum Problem der staatsbürgerlichen Erziehung in Palästina
- Date
- 1933-10-01
- Page
- Seite 338 (sequence 10)
- Language
- German
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338 Araber, der christlichen Kirche und Missionen. Die Presse des Landes. 9. Rechnen. Uebungen aus dem Leben des Landes und der Juden (entsprechendes Lehrbuch vorhanden). 10. Botanik und Zoologie. Die Pflanzen und Tiere des Landes, ihr Vorkommen in unserer alten und modernen Literatur (Aronowiez, Leopold Lob). 11. Turnen und Sport. Herrschaft über den Körper, Disziplin und Ordnung, Fairneß, Geist des kollektiven Wettkampfes. Ausflüge zu jüdischen Kolonien und arabischen Dörfern. V. All diese theoretischen Kenntnisse, deren Rahmen sich noch sehr erweitern ließe, werden erst zu ihrer vollen Fruchtbarkeit gelangen, wenn den durch sie entwickelten Einsichten und Eigenschaften Gelegenheit zu praktischer Gewährung gegeben wird. Am stärksten und fruchtbarsten kann dies naturgemäß in den Kinderdörfern der Fall sein, wo ein Teil der ökonomischen Last des Betriebes auf die Selbstarbeit der jungen Menschen fällt. Durch diese ganz ungemachte und natürliche Situation wächst der zugleich arbeitende und lernende Schüler in eine Gesamtverantwortung hinein, die ihn wenigstens für die engeren Aufgaben staatsbürgerlichen Denkens und Handelns weit besser disponiert als seinen Kameraden in der Kolonie oder gar in der Stadt. Nur die Schüler der Kwuzothschulen lassen sich mit denen der Kinderdörf er in dieser Beziehung einigermaßen vergleichen; sie haben meist ihre eigene kleine „Versuchswirtschaft", durch die sie später organisch in das produktive Leben der Erwachsenen hineingeführt werden. Dem gegenüber haben selbst die wenigen „Produktionsschulen" — um den Ausdruck von Paul Oesterreich zu gebrauchen — die sich die Arbeiterschaft in den drei Städten des Landes errichtet hat, einen pädagogisch schweren Stand, denn ihre wirtschaftliche Betätigung ist meist weniger ein von seinem inneren Sinn getragener Selbstzweck, als eine besondere pädagogische Veranstaltung, die mit ihrer Selbstverständlichkeit viel von ihrer Wirkung verliert. Noch mehr gilt dies von der schulhandwerklichen Betätigung und gewissen schwachen Ansätzen zur Schülerselbstverwaltung in den Anstalten des gewöhnlichen Typs. Auch für sie muß aber als Ziel wirkliche staatsbürgerliche Betätigung auf gestellt werden, ohne die der staatsbürgerliche Unterricht niemals zu staatsbürgerlicher Erziehung werden kann.