Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli 1933)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1933-07-01
- Page
- Seite 269 (sequence 2)
- Language
- German
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sischen Entvvdcklung in den Hintergrund getreten. Die andauernde Weltwirtschaftskrise hatte bereits große Massen von Juden aus Europa und Amerika zur Auswanderung gezwungen und eine ständig wachsende Einwanderung mittelständischer Elemente hatte beträchtliche Kapitalmengen nach Palästina gebracht, wodurch eine fühlbare Belebung der Wirtschaft eintrat. Die günstige Konjunktur dauert jetzt fast ohne Unterbrechung seit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, die wohl mit Herbst 1929 angesetzt werden kann, weiter. Dieser Umstand ist auch politisch nicht uninteressant, weil der Aufschwung zeitlich unmittelbar anschließt an die blutigen Unruhen von August 1929, die mit ihren politischen Konsequenzen — Untexsuchungskommissionen und Weißbücher — als eine wesentliche Verschlechterung der jüdischen Lage empfunden wurden. Wir haben hier eine verblüffende Parallele zu der Entwicklung nach den Unruhen vom Mai 1921, auf die auch zuerst das bekannte Weißbuch von 1922 und dann die große jüdische Einwanderungswelle folgte. In den letzten vier Jahren hat sich das Aussehen Palästinas und seine wirtschaftliche Struktur von Grund auf verändert. Riesige neue Orangenpflanzungen sind entstaaden, in den Städten wird rapide gebaut, die Industrie entwickelt sich immer mefhr. der Export steigt, die Banken überströmen von Depositen, jüdische Arbeitslosigkeit ist trotz der fortwährenden Arbeitereinwanderung so gut wjie gau nicht vorhanden. Ist so die Privatwirtschaft ausschlaggebend für die Entwicklung des Landes geworden^ so ist es doch der Jewish Agency gleichzeitig gelungen, trotz ständigen Rückganges der Kejren Hajessod-Einnahmen ihre landwirtschaftlichen Siedlungen zu konsolidieren und im großen ganzen selbsterhaltend zu machen, was damit zusammenhängt, daß sich in den Städten ein ausgezeichneter Markt für die landwirtschaftlichen Produkte bot. Da auch das Schulwesen von der Jewish Agency auf eine andere Körperschaft, den Waad Leumi (Nationalrat der palästinensischen Juden), übertragen wurde, is*; die Funktion der Jewish Agency in der Hauptsache auf das politische Gebiet beschränkt geworden. Es ist jener Zustand erreicht, der 1920 von der amerikanischen Brandeis-Gruppe angestrebt worden ist, daß die Jewish Agency nur (die politische Arbeit leistet, aber keine oder fast keine direkten kolonisatorischen oder administrativen Verantwortungen trägt. Für die politische Arbeit gab es zwei Hauptaufgaben: die Verbesserung der Beziehungen zur Mandatarmacht, die noch 1930 sehr ungünstig geworden waren, und die Erschließung weiterer Arbeitsmöglichkeiten, vor allem in Transjordanien. Auf diese beiden Aufgaben konzentrierte der Leiter der Je-» wish Agency in Palästina, Dr. Arlosaroff, seine ganze Energie. Es ist ihm gelungen, eine Kooperation mit dem neuen High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, herzustellen, so daß alle Berichte über Palästina darin übereinstimmen, daß die britische Politik im letzten Jahre als ausgesprochen projüdisch bezeichnet werden muß. Von jüdischer Seite wurde auch begrüßt, daß der Plan der Schaffung eines Gesetzgebenden Rates, der im Weißbuch von 1930 in Aussicht gestellt wurde, augenscheinlich fallengelassen ist. Auf der anderen Seite wies man darauf hin, daß noch nicht alle Zusicherungen des Mac Donald-Briefes vom Februar 1931 erfült worden sind. Aber in der Praxis wurde dem jüdischen Bodenkauf und der jüdischen Expansion keine Schranke gesetzt. Zugleich wurden wichtige Beziehungen zu verschiedenen arabischen Stämmen in Transjordanien hergestellt. Diese Stämme hatten bemerkt, daß das materielle Los der palästinensischen Araber sich immer günstiger ge-