Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1933)
- Article
- Wirtschaft. Von Spectator, Jerusalem.
- Date
- 1933-03-01
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
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zur unmittelbaren Bedrohung und Vernichtung der Existenzen steigert, einerseits, ein Land mit relativ sicheren politischen und sozialen Lebensbedingungen» einer freien jüdischen Atmosphäre, die von jedem Neueinwanderer als besonderes Glück empfunden wird, andererseits, diese Alternative allein hätte genügt, um den jüdischen Einwanderungsstrom nach Palästina in den letzten zwei Jahren gehörig anschwellen zu lassen. Dazu kommt seit der Aufgabe des Goldstandards durch England, der Bankenkrise in Deutschland und der» sich im Anschluß daran auswirkenden tiefen Beunruhigung des Kapitalsbesitzes, die Kapitalwanderung nach dem Ort geringer Störungen und optimaler Stabilität. Palästina, mit einer Wirtschaft im permanenten Ankurbelungsstadimm, als ein Markt ständiger Nachfrage nach Produktionsmitteln für Anlagezwecke und Konsumartikeln für die Ernährung der Einwanderer, hat durch das Vorwalten dieser dynamischen Tendenzen die Auswirkungen der» Krisen nicht nur mühelos überwinden können, sondern ist darüber hinaus zu dem heute mit Recht viel bestaunten Neuland der Prosperity geworden, All dies gilt allerdings nur für den Wirtschaftsbeneich, der unmittelbar von den Einwanderern und dem Kapitalzustrom befruchtet wirft. Die authochtone Landwirtschaft, insbesondere aber die einheimische Getreidewirtschaft ist bisher" von dem Boom nicht merklich berührt worden, ja dürfte durch die knappen Regenfälle auch dieses Jahr wieder, trotz Steuernachlaß usw. in große Not geraten. So bleibt ungeachtet aller guten Absichten der Regierung das Fellachenproblem nach wie vor ein wirtschaftliches und politisches Zentralproblem des Landes. Nachfolgende Ziffern über den Import und Export im 3. Quartal 1932 zeigen die exzeptionelle Entwicklung, die hier in einer Zeit internationaler Krise und? allgemeiner Schrumpfung des Außenhandels vor sich geht, sehr deutlich, auch wenn wir die Import- und Exportziffern wegen der Aenderung in der statistischen Methode der Regierung nicht ohne Vorbehalt benützen. Eine Untersuchung des Charakters der Investierungen, die sich allerdings aus technischen Gründen oft einer genaueren Analyse entziehen, bestätigt im großen ganzen die sich aus der Betrachtung der Einwanderungsmotive ergebenden Folgerungen. Das ins Land strömende Einwandererelement sucht, so weit es überhaupt im Besitz größerer Mittel ist, eine möglichst sichere, risikofreie und schnell ertragbringende Anlage. Daher ist der größte Teil der im Jahre 1932 investierten Mittel in Häusern und (fertigen und jungen) Orangenpflanzungen angelegt worden, während die Investierungen in industriellen Unternehmungen und in der sogenannten gemischten Wirtschaft nur einen relativ bescheidenen Betrag beansprucht haben. Es ist verständlich, daß Einwanderer, aus Ländern kommend, in denen sie mit Mühe ihre Existenz aufrechterhalten und ihr Vermögen einigermaßen intakt nach Palästina bringen konnten, in diesem Lande keine unsicheren Versuche der Existenzgründung unternehmen wollen. In weit größerem Maße gilt dies aber noch für Emigranten aus all den Ländern, in denien die Entwicklung seit dem Kriege die besonders krisenempfindlichen Mittelstandsschichten, denen die Juden ange- Pfund Import 3. Quartal 1932 2,245.539 Import 3. Quartal 1931 1,474.248 Pfund Export 3. Quartal 1932 638.075*) Export 3. Quartal 1931 195.539 *) Inklusive 468.724 Pfund Goldexport.