Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 16 (1933)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1933)
- Article
- Arbeiterbewegung. Von Dr. Arie Tartakower, Lodz.
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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die Konferenz der Histadruth, wie übrigens alle ihre Vorgängerinnen, keineswegs auf reine Gewerkschaftsfragen beschränken, sondern darüber hinaus po.-> litische und Kulturfragen in den Bereich ihrer Betratungen ziehen wird. So kommt denn auch in diesem Falle die eigenartige psychologische Struktur der jüdischen Arbeiterbewegung Palästinas klar zum Ausdruck. Für einen auch nur oberflächlichen Kenner der Arbeiterpartei Palästinas konnte der Gang der Beratungen der letzten Konferenz keine Ueberraschung bedeuten. Diese Partei, die nicht nur ihrem Namen nach, sondern auch tatsächlich eine hundertprozentige Arbeiterpartei bildet (es wurde auf der letzten Konferenz nochmals der Beschluß wiederholt, nur Mitglieder der Histadruth als Mitglieder der Partei aufzunehmen) macht mit ihren 6.000 Mitgliedern und wie es die letzten Wahlen zur Konferenz der Histadruth nochmals bewiesen haben, einer dreifach stärkeren Zahl von Anhängern, den bedeutendsten Faktor nicht bloß unter der jüdischen Arbeiterschaft, sondern auch im jüdischen Gesellschaftsleben des Landes aus. Die Konferenz einer derartigen Partei muß zu einem Brennpunkt der bedeutendsten Fragen des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina in fast allen seinen Erscheinungen werden. Es kamen aber darüber hinaus noch andere Momente dazu, die die Bedeutung der Konferenz noch steigerten. Es war dies die erste Konferenz nach der im Jahre 1929 erfolgten Vereinigung der beiden bedeutendsten Arbeiterparteien des Landes, der „Achduth,- Haavoda" und des „Hapoel Hazair", aus denen die Arbeiterpartei Palästinas, die „Mifleget Poalej Erez Israel", entstand. Es sollten somit rückblickend die Erfolge der Vereinigung der Kräfte gewürdigt und sozusagen eine Bilanz für die Zukunft gemacht werden. Des weiteren trat die Konferenz kaum einige Monate nach der im August 1923 erfolgten Vereinigung der beiden Weltverbände der zionistischen Linken zusammen, die zu einem großen Teil der Initiative der Arbeiterpartei Palästinas zu verdanken ist. Diese Partei ist somit zur palästinensischen Landespartei der Weltvereinigung „Poale Zion-Hitachduth" geworden, deren Leitung sie nunmehr, wenn auch nicht organisatorisch, so doch geistig und politisch übernehmen soll. Zu diesen beiden Umständen tritt noch die Eigenart der gegenwärtigen Situation im Zionismus und in Palästina dazu, die der jüdischen Arbeiterschaft im Lande ganz besondere Aufgaben vorschreibt. Die weitgehende Schwächung der zionistischen Organisation und die in einem seltsamen Gegensatz dazu stehende schnelle Entwicklung des jüdischen Wirtschaftslebens in Palästina mit allen sozialen und wirtschaftlichen Gefahren, die sich daraus ergeben, rollen einzigartige Probleme auf, die eine klare Antwort erheischen. Und wenn man noch die (zum Teil mit der Wirtschaftsentwicklung im Zusammenhang stehenden) überaus bedeutenden Aenderungen im jüdischen Arbeiterleben des Landes, sowie die gerade gegenwärtig wiederum brennend gewordenen konstitutionellen und Verwaltungsfragen des Landes in Betracht zieht, so wird man sich des gewaltigen Komplexes der Fragen bewußt, vor dem die Konferenz stand und dessen sie in einer großen Arbeitsleistung von zwei Tagungen (die erste vom 30. Oktober bis zum 4. November, die zweite vom 3. bis zum 5. Dezember) Herr zu werden suchte* Es ist unmöglich, in dem beschränkten Rahmen einer Rundschau die schier unerschöpfliche Fülle der Gedanken und Anregungen wiederzugeben, die auf dieser Konferenz zum Vorschein kam und für die Entwicklung der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas wohl auf Jahre hinaus richtunggebend sein dürfte. Stieß ja selbst die endgültige Formulierung dieser Gedanken auf große Sohwie-