Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1932-12-01 · Heft 12 (Dezember 1932) · p. Seite 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 12 (Dezember 1932)
Article
Die Ursachen der Hochkonjunktur
Date
1932-12-01
Page
Seite 398 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2379786-2379900-2379907-2396538--14433-2396766
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

398 kapitalistische „chain stores" (Kettenläden-) System und die Konzentrierung des Handels in den Vereinigten Staaten usw. haben das Wirkungsfeld des jüdischen Kapitals beträchtlich eingeschränkt. Dazu kommen noch die Erschütterungen des Wirtschaftslebens in allen Ländern infolge der Weltkrisis, die den Prozeß der Verdrängung des jüdischen Kapitals verschärft und beschleunigt haben. Weiter haben die politischen Ereignisse in Deutschland und den osteuropäischen Ländern, sowie die Verfolgungen der jüdischen Minderheiten eine spezifische politische Krise des jüdischen Kapitals verursacht und es zur Auswanderung gezwungen. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Europa und Amerika hat weiter zu dem von Hobson und Heynes analysierten Phänomen der Hyperakkumulation geführt. Die Summe des jährlich akkumulierten Kapitals übersteigt weit die der jährlichen Investitionen, was eine Senkung des Zinsfußes zur Folge hat. Palästina hat einen für die gegenwärtige Periode außerordentlich hohen Zinsfuß und deshalb eine besondere Anziehungskraft für das Kapital. Dazu kommt die fast vollständige Steuerfreiheit des Kapitals, die an sich eine negative Erscheinung darstellen mag, aber auf das Kapital heute anziehend wirkt. Diese Umstände haben Palästina •zu einem Lande der Absorption für jüdisches Kapital gemacht und die Kapitalisierung des Landes beschleunigt. Die unmittelbare und vorgesehene (bis zur Ertragsperiode) Investition des Kapitals in Pflanzungen stellt sich im letzten Jahre auf 1,700.000 Pfund. Die Bautätigkeit in Tel-Aviv allein absorbierte in der ersten Hälfte 1932 über 200.000 Pfund, die Depositen in den Banken akkumulieren in gewaltig beschleunigtem Tempo. Der größte Teil dieses Kapitals kommt vom Auslande. Die Zahl der Kapitalisten-Immigranten nach Palästina (die über 1.000 Pfund besitzen) betrug in der ersten Hälfte der letzten drei Jahre in 1930: 64*), in 1931: 104, in 1932: 256. Selbstverständlich läßt sich jedoch eine Hochkonjunktur in einem Lande und eine relative Immunität von der Weltwirtschaftskrise nicht durch den Zufluß von Kapital allein erklären. Wir müssen andere Faktoren in Betracht ziehen, die sich in dieser Richtung auswirken könnten. Einer dieser Faktoren ist zweifellos der Fall des Pfundes. Palästina hat im gegenwärtigen Moment den zeitweiligen Vorteil aller *) Die 64 Kapitalisten-Immigranten in der ersten Hälfte von 1930 umfassen in den ersten zwei Monaten auch solche, die über ein Kapital von 500 Pfund verfügen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.