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Palästina · 1932-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1932) · p. Seite 360

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Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1932)
Article
Jewish Agency. Von Dr. Robert Weltsch, Berlin.
Date
1932-10-01
Page
Seite 360 (sequence 2)
Language
German
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Aorlosoroff, der trotz seiner Jugend sich schnell in die diplomatische Technik eingearbeitet hat und sein Amt zielbewußt, energisch und mit In* telligenz führt. Er hat «es verstanden, die Stellung der Jewish Agency-Exekutive in Palästina beträchtlich zu heben, und er scheint auch — als einziger in der Exekutive — weiter ausgreifende Gedanken für die Zukunft zu haben, was gewiß ein Aktivum darstellt, das auch der anerkennen muß, der manche Grundlagen der Arlosoroff'sehen Konzeption, die von unbedingter Solidarität der Juden und Englands ausgeht, skeptisch beurteilt. Von anderen Mitgliedern der Exekutive haben N e u m a n n und Färbst ein, die die wichtigen Ressorts der Mittelstandskolonisation verwalten sollten, in diesem Jahr leider zwar mehrere Reden gehalten und viele Reisen gemacht, aber zu positiver Arbeit in ihren Ressorts noch keine Zeit gefunden, so daß man sich über ihre Qualifikation noch kein Urteil bilden kann. Die beiden „nichtzionistischen" Exekutivmitglieder, Dr. Hexter und Dr. Berkson, haben überhaupt kein Amt verwaltet und Dr. Sejnator, der Treasurer, ist bei der Londoner Sitzung wegen Differenzen bezüglich des Budgets zurückgetreten. Bleibt noch Dr. Brodetsky, der, wie auch schon früher, den laufenden Verkehr mit dem Londoner Kolonialamt besorgt, und Berl Locker, der in seinem Londoner Organisationsdepartment, das er mit Geschick und ohne Geld führt, nicht auf Rosen gebettet war, zumal er fortlaufend die geldfordernden Depeschen aus Palästina entgegenzunehmen hat. Die LoEjdoner Sitzung hat die Bemühungen der Exekutive, in einer schwierigen Zeit durchzuhalten, durchaus anerkannt. Der Zionismus leidet natürlich, wie alle Körperschaften öffentlicher Art, unter der Finanzkrise der Welt. Seine Einnahmen gehen zurück, Sparmaßnahmen sind erforderlich. Zugleich aber ist die Weltkrise ein starker Aistrieb zur Auswanderung von Juden nach Palästina, was sich im abgelaufenen Jahr schon sehr fühlbar machte. Aus allen europäischen Ländern und aus den Vereinigten Staaten kommen Juden mit den Resten ihres Vermögens nach Palästina, die Kapitalzufuhr macht sich in dem kleinen Land sehr bemerkbar und wir beobachten eine ausgesprochene Hausse, die Palästina zu einem Land ohne Arbeitslosigkeit in gewöhnlichem Sinne macht (die Notlage der von der Agrarkrise betroffenen Fellachen gehört auf ein anderes Blatt), zugleich aber auch jetzt manche bedenkliche Erscheinungen zeitigt, wie z. B. ein maßloses Steigen der Bodenpreise in der Orangenzone und der Preise für fertige Orangenplantagen, die ein sehr gefragtes Objekt darstellen. Die Jewish Agency, als die verantwortliche jüdische Behörde, muß dieser Entwicklung ihr Augenmerk zuwenden und sie vorausschauend zu lenken versuchen. Wird sie es vermögen? Man muß loyalerweise zugeben, daß die Macht- und Einflußinittel der JA. auf die Bewegungen und Aktionen des privaten Kapitals beschränkt sind, aber ganz machtlos steht sie denn doch nicht da. Bisher aber muß man feststellen, daß) die JA. die Tatsache des starken Einwanderungsverlangens der Juden und des Aufschwungs der Privatwirtschaft lediglich zu propagandistischen Zwecken ausnützt, ein gewiß verständliches und berechtigtes Unterfangen, denn niemals zeigte sich so deutlich und sinnfällig der Zusammenhang zwischen Judenfrage und praktischem Zionismus, der Wert des Palästina-Charters für die Erleichterung jüdischer Not. Aber darüber hinaus würde mancher wünschen, daß die JA. sich nicht einfach vom Strom tragen

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