Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 15 (1932)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1932)
- Article
- Der Stand der arabisch-jüdischen Frage
- Date
- 1932-10-01
- Page
- Seite 356 (sequence 2)
- Language
- German
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nichts geschehen, um einer Lösung dieser Fragen und vor allem der besonders wichtigen Landprobleme näherzukommen. Zwar ist inzwischen auf jüdischer Seite die Intensität der Aufbautätigkeit nur noch mehr gewachsen; neue Einwanderer, große Kapitalien strömen allwöchentlich herbei und erzeugen ein« Hochstimmung, die an die Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwunges von 1925 erinnert, ja darüber hinaus noch unbedenklicher begrüßt wird, weil die Einwanderer durch die in jedem Sinne kostbaren Erfahrungen der Jahre, die nach dem Boom folgten, im allgemeinen davor bewahrt werden dürften, ähnr liehe Enttäuschungen zu erleiden, wie ein großer Teil der Einwanderer vor sieben Jahren. Doch soll hier nicht von den wirtschaftlichen Problemen und Prospekten dieser neuen Einwandercvng gesprochen werden. Ihre politische Auswirkung zeigt sich sowohl in einer wachsenden Unterjschätzung der politischen Grundprobleme des Landes auf jüdischer Seite als in einer steigenden Neigung zu vollständiger Non-Cooperation mit der Regierung und den Juden auf arabischer Seite. Man kann daher nicht sagen, daß die politische Entwicklung an einem toten Punkt angelangt wäre. Es muß im Gegenteil betont werden, daß die Tendenz zu einer dilatorischen Behandlung aller zentralen Fragen, wie sie vor; allem bei der Jerusalemer Regierung — unbeschadet des sympatischen Verständnisses des Regierungschefs für die Nöte des Landes — und der zionistischen Leitung zu fühlen ist, etwa aufkeimende oder verborgen blühende Neigungen zu einem Einlenken oder Varhandeln auf arabischer Seite in keiner* Weise begünstigt. Die letzten Monate haben die arabische Politik der Non¬ Cooperation in einer Reihe von Fällen vielmehr erst deutlich sichtbar gemacht. Die Nichtbeteiligung an der Ottawa,-Delegation, die Zurückziehung der arabischen Vertreter aus einer Reihe von Regierungskommissionen, die gemeinsam, mit Vertretern der jüdischen Bevölkerung un|d der Regierung Fragen meist wirtschaftlichen Charakters behandelten, die neue Propaganda gegen arabische Boden Verkäufe, sind die Hauptzeugen dieser neuen Politik. Sind diese Aktionen im einzelnen auch nicht immer für die Oeffentlichkeit, so deutlich erkenn- und fühlbar, wie etwa die demonstrative Nichtbeteiligung an der Levante-Messe in Tel-Aviv, so zeugen sie doch für eine zielbewußte Linie, die von der arabischen Führung mit Konsequenz vertreten wird. Man muß diese Symptome zwar nicht überschätzen, muß ferner nicht vergessen, daß die arabische Exekutive gegenwärtig alles andere als ein einheitliches Instrument national-arabischer Willensbildung darstellt. Trotzdem wäre es aber verhängnisvoll, zu übersehen, wie geschickt und im Endergebnis erfolgreich die arabische Politik seit den Unruhen 1929 geführt wurde. War die Palästina;- Frage bis dahin in der mohammedanischen Wielt außerhalb der engeren Nachbarländer Palästinas ein kaum gekanntes Problem, so steht sie heute als eine der wichtigsten Agitationsquellen jm Zentrum aller politischen Bewegungen, die sich um den vorderen Orient konzentrieren. Es ist sehr sehr lange her, daß die Stadt Jerusalem zum letzten Mal so sehr Mittelpunkt von Tagungen^ politischen Besprechungen, Fürsten- und Ministerbesuchen gewesen war, wie in den letzten Monaten. Aus allen arabischen Staaten und Ländern haben sich hier prominente Vertreter ein Stelldichein gegeben und die Richtlinien der künftigen arabischen Politik im vorderen Orient besprochen. Es sind natürlich nicht allein die durch den Zionismus in Palästina hervorgerufenen Probleme, sondern mindestens ebenso die zahlreichen anderen Schwierigkeiten, mit denen die Realisierung der großarabischen Pläne, wie etwa die Schaffung einer ara-