Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1932-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1932) · p. Seite 349

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
15 (1932)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1932)
Article
Die Einnahmen der Fellachen
Date
1932-10-01
Page
Seite 349 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2379786-2379900-2379906-2396131--14172-2396389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zahlen 30 bis 60 Prozent für Darlehen. Nur 18 Prozent der Bauern von Cypern sind frei von Schulden und die durchschnittliche Verschuldung desF übrigen ist 37 Pfund pro Kopf. Die entsprechende Ziffer für den ägyptischen Bauer war 1913 25 Pfund, die Totalverschuldung 16 Millionen engl. Pfund Stricklands folgende Bemerkungen im Zuge einer Untersuchung der Lage in Palästina können auf jedes der benachbarten Länder ebenso gut angewendet werden. „Es scheint, daß nicht allein der Betrag der Schuld drückend ist uod jeden Versuch fortgeschrittener Methoden der Landwirtschaft hindert, sondern daß ein nicht kleiner Teil der Bauern völlig zahlungsunfähig ist und daß weder kooperativer Kredit, noch irgendeine Form von staatlichen Darlehen ihn zahlungsfähig machen kann, wenn die volle Nominalschuld ihren Gläubigern zurückzuzahlen ist. Die Bebauungsmethoden der arabischen Kleinbauern sJu\d so primitiv, wie in der Mehrzahl der unentwickelten Länder. Diese Rücks*ändigkeit ist verschuldet durch .... die Unstetheit des Charakters und di<& L^st der Schulden, welche lähmend wirkt. Es ist nutzlos anzunehmen, daß ein ernstlicher Versuch zur Verbesserung der Landwirtschaft gemacht werden wird, bevor der Fellache von seinen Schulden befreit sein wird." Hier haben wir den Schlüssel zum ganzen Problem. Seine Richtigkeit ist m anderen Ländern, wo ähnliche Verhältnisse herrschen, schon lange erkannt! worden. Einer der hauptsächlichsten Feststellungen der Agrarkommissionen in Jndien war, „daß das wichtigste Hindernis auf dem Wege der Entwicklung <ier Landwirtschaft und die Hauptlast für das Volk seine Verschuldung ist'"', Um so bemerkenswerter ist es, daß in einigen offiziellen Berichten über Palästina, welche sich als Untersuchungen der Fellachen ausgeben, diesem Gesichtspunkt sehr wenig Beachtung geschenkt wird und dadurch das eigentliche Problem der Fellachen — seine Abhängigkeit vom Geldleiher und vom Grundbesitzer — gänzlich im Dunklen blieb. In diesem Zusammenhang kommt einer Schätzung des Umfanges und deij Verteilung des Einkommens der Fellachen und des Einflusses dieser Faktoren; auf den allgemeinen Stand des Wohlstandes ein starkes Interesse zu. Welches ist das Bruttoeinkommen, das der Fellachenklasse aus ihrer Ackerwirtschaft zufließt? Bei jeder solchen Schätzung muß das Einkommen von Pflanzungen eliminiert werden, da dies eine Wirtschaftsart ist, die für die fellachische Landwirtschaft als Ganze nicht charakteristisch ist. Verschiedene! Versuche sind gemacht worden, dieses Bruttoeinkommen zu schätzen, von denen die besten jene des Johns on-Crosbie-Berichtes und das Buch voa VoUkani: „The Fellah's Farm" sind. Die Beobachtungen der UnterpucherideB oder die Angaben der Bauern dienten immer als Ausgangspunkt, unid das Hauptinteresse wendete sich dem Einkommen der einzelnen Fellachenfamilien zu. Eine Schätzung des Einkommens der Klasse als einer ganzen wür.de uns verläßliche Quellen bieten und einige strittige Punkte ausschalten, wie auch als Kontrolle dienen für die Schätzungen, die wir schon besitzen. Die durchschnittliche Produktion von Weizen, Palästinas Hauptfrucht, durch acht Jahre, beträgt im Durchschnitt, wenn wir infolge der gewöhnlichen Unterschätzungen beim Zehent, diesen 15 Prozent zuschlagen: 101.000 Tonnen^ Juden und Deutsche haben daran einen Anteil von 8.000 Tonnen, so daß auf die Araber 93.000 Tonnen entfallen. Berechnen wir für 1929/30 einer?. Durchschnittspreis mit 10 Pfund per Tonne, so war der Wert der arabischen Weizenproduktion 930.000 Pfund netto.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.